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Dampfradioforum • Thema anzeigen - Wega 809: Waren die Leute in den 50ern spannungsfester ?

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BeitragVerfasst: Mo Aug 27, 2018 11:06 
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Hallo Forum,

dieser Tage hatte ich ein kleines Gerät des Stuttgarter Herstellers Wega auf dem Tisch, das mich in mehrfacher Hinsicht erstaunte.

https://www.radiomuseum.org/r/wega_809_1.html

Guten UKW-Empfang hatte ich dank des von Telefunken zugekauften UKW-Tuners schon erwartet, im Rahmen der Gehäusegröße dank des Isophon-Lautsprechers auch einen guten Klang. So weit, so gut. Zu etwas Stirnrunzeln führte die Verwendung der EZ80 und eines Spartrafos, aha, also Vorsicht war geboten. Bei einem Gerät von 1958, naja. Hier ist ein Plandetail:

Bild

Wie das so ist bei Radios mit Spartrafo: sowohl Zusatzlautsprecherbuchsen wie auch die TA-Buchsen liegen auf Masse, je nach Drehung des Netzsteckers also ungeschützt am Lichtnetz, sh. meine roten Kringel.

Aber dann verblüfften mich einige Details, die ich so noch nicht gesehen hatte. Bei Philettas und ähnlichen Radios lassen sich die Madenschrauben so weit in die Drehknöpfe einschrauben, daß man den Raum bis zur Knopfkante zur Isolation der Schraube mit Wachs füllen kann. Keine Chance hier: die Madenschraube schließt bündig mit der Knopfkante ab, es gibt keine Möglichkeit, da etwas Wachs hinein zu drücken.

Bild

Aber es kam noch deutlich besser. Das Chassis wird, genau wie bei einer Philetta, von hinten auf zwei Schienen geschoben und dann mit zwei liegenden M-Schrauben gesichert. Diese Schrauben stehen also etwas über das Chassisblech über:

Bild

Und genau an diesen Stellen hat die Rückwand Aussparungen !! Wie auch an der Stelle, an der das Typenschild auf das Chassisblech geklebt ist:

Bild

Wie man sieht, habe ich die Situation entschärft, indem ich von hinten transparente Stücke Kunststoff auf die Rückwand geklebt habe. (Kleine Stücke der Deckel von Milkana-Käse-Dosen.) Von innen sieht das so aus:

Bild

Ich frage mich aber nun wirklich, ob das damals den Vorschriften entsprochen haben kann. Das Gerät war unverbastelt, d.h. die Madenschrauben original, auf der Rückwand waren keine Klebereste etwaiger früherer Abdeckungen vorhanden.

Vorsichtshalber habe ich beim Spender des Gerätes nachgefragt, ob in der Familie früher einige ungeklärte Todesfälle vorgekommen seien. Ich habe schon manches in dieser Hinsicht gesehen, aber für ein Gerät von 1958 finde ich das alles sehr ungewöhnlich. Ich verfasse diesen Thread, um wieder einmal allgemein vor den Gefahren der Geräte mit Spartrafos zu warnen, aber speziell vor diesem Typ und dem Parallelmodell Typ 110 (mit LW statt KW).

Noch eine sehr sparsame Bauweise fiel mir auf: die Schallwand war aus einem bröseligen Preßspan, der beim Ausbau zerfiel. Der Ausbau war erforderlich, weil der Stoff schlecht und die Schallwand so weit verzogen war, daß an ihrer Oberkante ein Spalt zum Gehäuse entstanden war, der für meinen Zeigefinger reichte. Kein Wunder, oben quer ist keine Schraube, die in das Bakelit geschraubt werden könnte, das hängt alles.....

Also gab es auch einen neuen (gebrauchten) Stoff und eine neue Schallwand mußte auch zugeschnitten werden. Beim Typ 110 gibt das rmorg einen Preis von 179 Mark, 20 Mark weniger, als bei einer Philetta. Aha, das erklärt doch manches.

Soweit mal eine Gerätevorstellung von mir.

Viele Grüße
Holger

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UKW: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.....


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BeitragVerfasst: Mo Aug 27, 2018 11:22 
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Und wie sagte mein Lehrherr in den frühen 60ern: "ein guter Elektriker ist auf 220V geeicht, das bringt ihn nicht um. Und jeder kann Elektriker werden." Ergo ist das nicht gefährlich :mrgreen:
Das war wohl auch bis zu Wega durchgedrungen. :mrgreen:

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Gruß Scooterboy
der mit der Hexe tanzt
(im 2/4Takt)


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BeitragVerfasst: Mo Aug 27, 2018 14:54 
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Moin,

bei dem Gerätepreis wundert mich eigentlich nicht, warum da so viel gespart wurde!
Ich habe hier einen ähnlichen Kandidaten von Telefunken stehen. Einen Rythmus 52 mit dunklem Holzgehäuse in einem eher schlechten Zustand.
https://www.radiomuseum.org/r/telefunke ... s_52w.html

Als ich das Gerät in Betrieb genommen habe, habe ich das Gehäuse, wie bei mir üblich, solide geerdet und den Stromkreis über eine Vorschaltglühlampe in Betrieb genommen. Sofort beim Einschalten löste der FI-Schutzschalter (10mA) aus. Also nach bösen Kondensatoren gesucht, nichts gefunden. Anschließend eine Isolationsmessung gemacht und 0,0Ohm rausbekommen - moment mal, das kann nicht sein! Schaltplan zu Rate gezogen und siehe da :roll:

Das Gerät hat einen Spartrafo zur Erzeugung der Heizspannungen, der Rest ist wie bei einem Allstromgerät aufgebaut.
Immerhin ist alles soweit isoliert. Nur der Plattenspieler- und Lautsprecheranschluss hängt auf Netzniveau. Abgriff VOR dem Ausgangsübertrager für hochohmige Lautsprecher.

Gekauft hatte ich das Gerät eigentlich wegen anderer technischer Eigenschaften:

- Rimlock Röhren
- Eines der ersten UKW-Geräte, erstaunlich, UKW mit 4 Röhren!
- Ungewöhnlicher Röhrensatz (ECH42, EF41,EAF42, EL41, EM11)
- Gerät hat kein "Gebiss" sondern einen klassischen Wellenschalter
- EM11 als Aussteuerungsanzeige

Na, mal sehen wann ich endlich dazukomme mit der technischen Restauration anzufangen. Gesäubert ist das Gerät schon komplett!

Gruß Micha


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BeitragVerfasst: Mo Aug 27, 2018 19:50 
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Hallo Micha,

ja, das Modell kenne ich auch. Viel Arbeit würde ich nicht investieren, da die UKW-Leistung unterirdisch ist. Kein Wunder, das Radio hat nicht nur einen Spartrafo, sondern auch eine Sparschaltung (keine Vorstufe, dafür Flankengleichrichter statt Ratiodetektor). Meiner Erfahrung nach funktioniert erst die Operette 52 aus diesem Baujahr bei Telefunken so halbwegs erträglich auf UKW. Rhythmus 52 ist eine "Gurke".

Gruß
Holger

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BeitragVerfasst: Mo Aug 27, 2018 19:54 
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Früher hatte man öfters als Schutzmaßnahme nichtleitende Fußböden, da ging sowas eher.

MfG
Munzel


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BeitragVerfasst: Mo Aug 27, 2018 21:18 
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Moin,
eigentlich muesste auf der Rueckwand stehen:
"Gefahr! Verwende nur Lautsprecher und Tonabnehmer nach VDE!"

Auf einigen Geraeten habe ich sowas schon gesehen, sogar solchen mit vollstaendiger Netztrennung.

Obengenannte Geraete hatten ein nach ausssen isoliertes Innenleben, die zeitgenoessischen Tonarme waren eh eigentlich immer aus Kunststoff und das Plattenspielerchassis hoffentlich nicht mit dem Schirm der NF-Leitung verbunden ;-)
Dazu gehoert natuerlich auch der Zweistiftstecker (Zwei 4mm-Stifte in 19mm Abstand) mit flachem Mittelstift (mit Massepin verbunden) fuer den TA und mit nichtangeschlosssenem runden Mittelstift fuer den Lautsprecher. Die Mittelstifte sollten verhindern, dass man diese Stecker auch in die Wandsteckdose steckt, das waere naemlich moeglich. Anschluss mit einzelnen 4mm Bananensteckern ist da absolut unzulaessig.

Nur auf diese Weise war der einigermassen sichere Betrieb moeglich. Aus heutiger Sicht ist der obengezeigte Aufbau natuerlich eine Katastrophe, aber damal mussten auch DAUs eine gewisse Eigenverantwortung mitbringen. Es war halt so...

73
Peter


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 7:58 
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Moin
In meinem Haus habe ich bei allen Steckdosen die Wagerecht montiert sind die Phase auf den rechten Kontakt gelegt, bei den wenigen die Senkrecht montiert, die Phase auf den oberen Kontakt.
Bei den Netzstecker der Allstromgeräte eine Makierung, damit ich weis wie ich den Stecker stecken muß.

_________________
Gruß Roland
--------------------------------------

http://wo-roehren-gluehen.de


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 8:34 
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Guten Morgen,

das Telefunken soll "nur" in einen technisch funktionsfähigen Zustand versetzt werden. Also Kondensatortausch (sind alle "ausgelaufen") und mal schauen was sich sonst so noch findet. Momentan brummt das Gerät nur satt, die EL41 ist immerhin noch Heile.

Auf den UKW-Empfang bin ich sehr gespannt, mit meinem Saba Meersburg W4 (1953) habe ich sehr guten UKW-Empfang, das ist allerdings ein recht aufwändiges Gerät. Warscheinlich ein Unterschied wie Tag und Nacht zum Telefunken von 1952. Ich habe hier 2 sehr starke Ortssender in Sichtweite (Frankenwarte Würzburg, Bayern1 und Bayern3 mit je 5kW), dann gibt es noch 2 Regionalprogramme die "herumfunzeln" (Leistung unter 500W). Fernempfang über ca. 100km - 150km habe ich auf UKW auch schon mit meinem Saba und der eingebauten Dipolantenne hinbekommen, mit dem Telefunken wird man wohl bestenfalls die Ortssender empfangen können.

Gerade die Sparsamkeit der Schaltung verleitet mich dazu, herauszufinden, was Sie leisten kann (... oder nicht leisten kann).

Gruß Micha


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 8:49 
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Ich denke die Denkweise war einfach eine andere. Wenn ich an die 60er zurückdenke wie wir da gelebt hatten, dann wäre das heute undenkbar.
Ein paar Beispiele:

Im Schuppen im Garten waren alle Arten von Chemikalien gelagert die man so brauchte.
ich erinnere mich auf jeden Fall an Schwefelsäure, Salzsäure und "Salmiakgeist"
Ich irre mich da auf keinen Fall, denn nach der Anleitung von "Wollmann, Werkbuch für Jungen" Ausgabe 1936,
bauten wir aus Salzsäure uns Salmiakgeist damals Rauchbomben.
Abgefüllt war alles in Apfelsaftflaschen, beschriftet mit Kugelschreiber auf einem Stück Hansaplast.
Im Heizraum, vermutlich wegen der Trockenheit, stand eine große Dose "Unkraut Ex" .
In Verbindung mit Zucker oder Alubronze bastelten wir damals kleine "Bomben"

Meine Mutter war damit betraut den Rasen zu mähen. Einmal überfuhr sie das Kabel und durchtrennte es.
Es wurde mit Lüsterklemme und Isolierband repariert und so jahrelang ohne Probleme weiter benutzt.
Dass ein Rasenmäher damals über keine Motorbremse verfügte, braucht nicht erwähnt zu werden. Auch waren sie viel handlicher, weil die Haltebügel nicht so lang waren dass man kein Bein in den Messerbereich strecken konnte.

Bei meiner Oma gab es einen Schnellkochtopf der mich als Kind immer faszinierte weil er ein richtiges Eigenleben hatte. Er war unglaublich schwer und massiv und besaß im Deckel eine Art Ausblasdüse. Auf diese wurde eine massive Art Stöpsel lose aufgesetzt der die Düse verschloss. Bei zu hohem Druck hob sich der Stöpsel ein wenig und der Überdruck konnte entweichen. Einmal verklemmte sich das Teil wohl irgendwie und mit einem lauten Knall flog das Ding an die Decke und hinterließ eine beeindruckende Delle. Was mir besonders in Erinnerung blieb: Meine Oma regte sich darüber überhaupt nicht auf. Der Stöpsel wurde wieder aufgeklaubt, kam zurück auf seinen Platz und gut war.

Mein Kinderzimmer in den frühen 60ern wurde im Winter mit einem Petroleumofen beheizt. Ohne Aussenkamin wohlgemerkt. Es roch natürlich, aber niemanden störte das.

Mutters erste "Spülbuffet" beinhaltete eine Spülmaschine die mich extrem begeisterte.
Im Grunde war es lediglich ein eingelassenes Spülbecken in dessen Boden eine Art Propeller montiert war wie man ihn von Aussenbordmotoren kennt. Darüber kann der Korb mit dem Gechirr. Das Becken wurde mit einen einfachen Klappdeckel mit Gummidichtung verschlossen.
Als Armatur gab es nur einen einzigen Schalter der den Motor einschaltete, sowie einen Zugknopf um das Wasser abzulassen.
Man füllte manuell Wasser ein, gab Spülmittel dazu, hob den Korb rein und schloss den Deckel. Dann startete man den Motor und nach spätestens 10 min. war das Geschirr sauber. In gleicher Weise erfolgte dann der Spülgang. Was mich besonders begeisterte war die Tatsache dass das alles auch ohne Korb und mit offenem Deckel funktionierte. Unnötig zu erwähnen dass der Propeller keinerlei Berührungsschutz besaß.

Die Liste ließe sich fortsetzen....
Was ich damit sagen will - man legte einfach keinen Wert auf übertriebene Sicherheitseinrichtungen. Wir Kinder waren einfach nicht so "dumm" wie die Kinder heute. Wir wuchsen mit den Gefahren auf, es wurde uns beigebracht damit umzugehen und wir wurden noch "erzogen". Und zwar in direktem Sinne des Wortes.
Eine Warnung oder ein Verbot des Vaters war ein unumstößliches Gesetz das auch geglaubt und damit eingehalten wurde. "Lang da niemals rein sonst werden dir die Finger abgeschlagen".
Am Beispiel einer gekochten Karotte wurde das eindrucksvoll demonstriert und das genügte für mein ganzes Leben.
Ich hatte viele Freunde und überall war das so oder so ähnlich. Und ich kann mich an keinen einzigen wirklich dramtischen Unfall erinnern im Familien- oder Freundeskreis.

Damals musste man noch keine Kindersicherungen aus Steckdosen ausbrechen bevor man sie vernünftig benutzen konnte, brauchte kein massives Werkzeug um eine Lacksprühdose zum ersten mal zu öffnen, musste nicht rätseln wie man den Verschluss der Chlortabletten aufbekommt, hatte keine Panzerkabel als Verlängerungsschnur die so steif waren dass es einem das Raclette vom Tisch zieht.
Und es gab diese wunderbaren 3er Verteiler die man direkt in die Steckdose steckte. Davon hab ich heute noch welche von meinen verstorbenen Eltern die ich in Ehren halte und immer noch benutze. Verboten? Pah!

Ihr seht schon - ich fand diese Zeit meiner Kindheit super. Wir haben unglaublich viel gelernt im Umgang mit den Gefahren, waren von lebens-kompetenten Menschen umgeben die noch mit dem alltäglichen Leben umgehen konnten und viel mehr von ihm wussten als das heute der Fall zu sein scheint.
Aber damals war auch noch eine Mutter zuhause die den Kindern ihr Weltbild vermitteln konnte statt diplomierter Pädagoginnen in der KiTa die vom Leben selbst keine Ahnung, geschweige denn selbst Kinder erzogen hat.

Ich liebte diese Zeit. Meine Kindheit war wundervoll und ich bedaure die Kinder die heute in ihrem Sicherheitskäfig aufwachsen müssen und so unendlich viel nicht mitbekommen was sie später mal so dringend brauchen würden. Und leider gilt gerade bei den frühkindlichen Erfahrungen "was Hänschen nicht lernt... ganz besonders.

Ich bin ja seit Jahrzehnten in der praktischen Studentenausbildung tätig und glaubt mir - so viele linke Hände und grundsätzliche Ahnungslosigkeit gab es noch nie. Und von anderen Handwerksmeistern höre ich das ähnlich.

Sorry für das lange Statement - eine Art Herzensangelegenheit.

Gruß,
Achim


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 9:51 
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Registriert: Fr Dez 09, 2005 18:06
Beiträge: 406
achim1 hat geschrieben:
(...)
Ich bin ja seit Jahrzehnten in der praktischen Studentenausbildung tätig und glaubt mir - so viele linke Hände und grundsätzliche Ahnungslosigkeit gab es noch nie. Und von anderen Handwerksmeistern höre ich das ähnlich.

Sorry für das lange Statement - eine Art Herzensangelegenheit.

Gruß,
Achim


Hallo Namensvetter,
Du sprichst mir aus der Seele.
Ich hatte vor ein paar Jahren einen Praktikanten, der nach eigener Aussage "Maschinenbau" studieren wollte bei mir in der Werkstatt zugeteilt bekommen. Selbst die Funktion "Schraube rausdrehen" war dem jungen Mann unbekannt, neben anderen Alltäglichkeiten.
Kurz: Nach drei Tagen stand ich bei meinem Chef und sagte "Entweder der Kerl wird entsorgt oder ich bin krank." :angry:

Nachts träume ich oft von einem Studenten oder Akademiker, der sich eine Rohrzange aufs Smartfon lädt um einen Rohrbruch zu richten... :wut:

Auch für mich eine Herzensangelegenheit. :hello:

_________________
Bitte beachten: Meine Beiträge könnten Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. Als Gegenmittel empfehle ich eine nach abwärts gerichtete Kellertreppe.


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 10:36 
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Wohnort: Bei Würzburg
Kenntnisstand: Elektrotechnischer Beruf/ Studium
Moin,

dem Beitrag von Achim1 ist nichts hinzuzufügen! Gut auf den Punkt gebracht.

Ich bin erst 23 Jahre alt und frage mich ernsthaft, wer es geschafft hat unser Land so gegen die Wand zu fahren. Ein Handwerker ist fast nichts mehr Wert. Selbstständiges und Selbstbestimmtes denken ohne unzählige Sicherheitshinweise nicht mehr gefragt. Alles muss bis zur Vergasung sicher sein und dem Menschen vorgekaut werden. Höre ich Geschichten älterer Menschen, schaue mir ältere Aufzeichnungen an oder repariere alte Geräte, sehe ich, was in Deutschland alles einmal möglich war. Technisch wie menschlich und das, obwohl es "damals nur so wenig gab". Sozialkompetenz gab es scheinbar mehr als heute. Kurzfristige Gewinninteressen stehen über langfristiger Qualität.

Ich habe eine Elektrikerlehre (Neumodisch: Duale Berufsausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik) hinter mir (2011 - 2014). Die Ausbildung war ein Graus. Im Betrieb war ich in öffentlichen Bauten tätig und durfte 3 Jahre stumpf Sammelhalter an die Decke montieren. Fragen zu Elektrotechnik wurden mit "Frag nicht, schaffe! Wir haben keine Zeit" beantwortet. Alle Mitarbeiter nicht älter als 35 Jahre. Lediglich die Leiharbeit aus Erfurt, aus der bösen ehemaligen DDR, beide schon im Rentenalter nahmen die Berufsausbildung ernst. Dort habe ich in den 3 Jahren am meisten gelernt! Sie waren damals aber auch ehrlich verwundert, dass es noch Lehrlinge mit ernsthaften Interesse gibt, sowas gäbe es die letzten 20 Jahre schon nicht mehr. Naja, in der Schule sah es nicht viel besser aus. Metallarbeit und Leistungselektronik wurde komplett gestrichen. Dafür wurden unzählige Vorschriften gepaukt. TAB, VDE, DGUV usw. - Konsenz des ganzen "wenn du etwas älter als 15 - 20 Jahre siehst --> Unsicher, Sofort rausreißen und etwas neues verkaufen!". Praktisch und für das Leben hat man da nicht viel gelernt. Der spätere Gesellenlohn von 11€ Brutto (= ca. 1200€ Netto monatlich) sagt schon alles.

Inzwischen halte ich von der alten Elektrotechnik, bis auf "klassische Nullung" und "Schutz durch Nichtleitende Räume", mehr, als von dem Kram, was man uns heute verkauft. Eine Schmelzsicherung löst nach 100Jahren noch sicher aus - Ein moderner Sicherungsautomat ist da schon längst über dem Jordan, Moderne Kunststoffe bei Zählerschränken werden nach 20 Jahren und etwas Sonne sehr spröde und brechen leicht - Die alte schwarze Bakelittafel (bzw. Phenolharz) jukt das nach 60 Jahren kein bisschen. Blechrohre und Blechdosen samt Keramikklemmen boten einen zuverlässigen Brandschutz, heute ist alles aus Kunststoff. Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben...

Im übrigen bin ich nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Elektrotechnik tätigt, sondern in der EDV. Bedeutet wesentlich mehr Geld mitsamt besseren Arbeitsbedingungen. Ein bisschen blutet das Herz schon, den ich lebe für die Elektrotechnik, wenn ich aber daran denke, welche schönen Anlagen der 50er - 80er Jahren schon während meiner Lehrzeit abgerissen wurden, ist das wohl besser so!

Gruß Micha


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 14:18 
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Es tut gut zu wissen dass es noch junge Erwachsene wie Micha gibt. Das lässt hoffen.

1976 hatte ich ein 3-monatiges Praktikum bei Schaeffler in Herzogenaurach. Inhalte waren die spanabhebenden Bearbeitungsverfahren sowie Löten und Schweißen.
Obwohl nur 3 Monate hab ich da unglaublich viel gelernt. Es war ein älterer Meister vom alten Schlag. Absolut autoritär, aber zugleich väterlich-fürsorglich. Vergleichbares durfte ich nie mehr kennen lernen.
Vieles von dem was ich damals unter seiner strengen Aufsicht gelernt habe ist immer noch präsent und ich bin mir ganz sicher, dass es genau dieser Menschenschlag war der Deutschland einst das hohe Ansehen brachte.
Durch überzogene Vorschriften, Verordnungen und zu viele Sesselpubser hat man wohl verhindert dass sich das in die Zukunft fortsetzen konnte. Der Mann wird längst nicht mehr leben, er bleibt mir aber in Dankbarkeit unvergessen.

Als ich dann selbst Meister war musste ich feststellen dass die Lehrlinge sich stark verändert hatten.
Wirkliches Interesse war nur noch spärlich vorhanden. Maschinen-und Gerätekunde interessierte eigentlich gar nicht. Hauptsache es geht. Kaum Fragen nach dem warum und wozu. Kein Brennen danach, alles wissen zu wollen, den Sachen auf den Grund zu gehen.
Ich hatte Lehrlinge die nach der Abschlussprüfung noch immer nicht wussten wie Geräte und Maschinen gewartet oder auch mal repariert werden.
Einige Lehrlingsgenerationen später hab ich es dann aufgegeben. Nicht dass die Jugendlichen sich verändert hätten, nein. Sie wurden durch äußere Bedingungen in der Kindheit schon so geprägt.
Ich erlebe heute Studenten die nicht merken dass der Motor mit der Fräse verkehrt herum läuft und denen nicht auffällt dass da was nicht stimmen kann.
Bei der Einführungsdemos der Erstsemester frag ich dann oft einfache, allgemeine Dinge um das vorhandene Grundwissen abschätzen zu können.

Wie viel wiegt ein gefüllter 10 Liter Eimer Wasser?
Bei welcher Temperatur gefriert Wasser?
Bei welcher Temperatur schmilzt Eisen?
Was ist eine Kombizange?

Ganz banale Sachen aus dem täglichen Leben halt. ich kann euch sagen....

In fünf Jahren geh ich in Rente - und ganz ehrlich, ich freue mich darauf.

Gruß,
Achim


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 17:29 
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Hoppla, da habe ich ja ungewollt was losgetreten !

Zurück zum Thema, hier sind mal Bilder des Gerätes in Gesamtansicht:

Bild

Auf der RW ist der von Peter erwartete Spruch NICHT zu finden, dafür sieht man an den Seitenrändern die Aussparungen mit den dahinter liegenden Chassisschrauben sehr gut. Ein Griff um das Gehäuse und - paff !

Bild

Und schließlich noch das Typenschild:

Bild

Auch da kein weiterer Hinweis.

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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 19:11 
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Man könnte vermuten, auf Deinem Gerät ist eine falsche Rückwand von einem anderen Typ angebracht. Aber die Rückwand des Gerätes in rm.org sieht genauso aus.

Vielleicht hatten die Chassis-Befestigungsschrauben ursprünglich einen Kopf oder eine Abdeckung aus isolierendem Material. So etwas habe ich bei Allstromgeräten schon öfter gesehen, auch, dass diese Abdeckung zerbrochen war bzw. fehlte, oder dass die Schraube verbotenerweise durch eine normale Schraube mit nicht isoliertem Kopf ersetzt worden war.

Bei der Mehrzahl der Allstromgeräte, die ich in den Fingern hatte, waren die Madenschrauben der Knöpfe nicht mit Wachs versehen, und auch mit der Lupe waren keine Reste von Wachs zu entdecken. Deshalb vermute ich, dass die Madenschrauben oft nicht abgedeckt wurden. Man war wohl zufrieden, wenn der VDE-Prüffinger nicht in Kontakt mit der Schraube kommen konnte.

Lutz


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BeitragVerfasst: Di Aug 28, 2018 19:56 
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Na ja, Holger, ich denke zumindest an Hand der Verschraubung Gehäuse/Chassis kann ich sagen das da schon mal jemnad dran war.

https://www.radiomuseum.org/r/wega_114.html

https://www.radiomuseum.org/r/wega_113.html

https://www.radiomuseum.org/r/wega_116.html
(sind alles Spartrafo-Geräte)

So wie ich das sehe und auch kenne ist da die isolierte Führung der Schrauben verschütt gegangen. Damit wären dann zumindest die Schrauben isoliert.
Und bei meinem 110
https://www.radiomuseum.org/r/wega_110.html
das ich mal hatte war das auch so gelöst. Auch waren da definitiv die Knöpfe mit Wachs oä. verschlossen.

Wega war noch nie sehr verschwenderisch mit technischen Angaben auf der Rückwand. Weder vor dem Krieg noch danach.

paulchen


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