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Dampfradioforum • Thema anzeigen - Familienerbstück Grundig 3035 W/3D - eine lange Geschichte

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BeitragVerfasst: Do Nov 03, 2016 22:08 
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Nachdem ich hier schon viel Hilfe zu meinen Problemen erhalten habe und auch viele Reparaturberichte mit Begeisterung gelesen habe, wollte ich auch mal etwas zum Forum beitragen - und nachdem mein Radio jetzt wieder problemlos läuft, liegt es doch nahe, einen Restaurationsbericht zu schreiben :D .

Konkret handelt es sich bei dem Gerät um ein Grundig 3035 W/3D.
Nach viel Arbeit und langem Hin- und Her steht das Radio jetzt hier und spielt wieder problemlos :mauge: . Bis dahin war es aber ein weiter Weg.

Geschichte des Geräts
Das Gerät hat mein Uropa vermutlich 1955 gekauft, wo das Radio auch jahrelang seine Dienste verrichtete. Mein Vater konnte sich noch daran erinnern, dass das Radio in seiner Kindheit im Wohnzimmer stand und die Kinder auch manchmal ein bisschen am Radio drehen durften.
1966 ist mein Uropa gestorben und meine Uroma hat das Radio weiterbenutzt. Als mein Vater dann von zuhause ausgezogen ist, hat Sie ihn gefragt, ob er nicht gerne das Radio haben möchte, er habe ja immer gerne damit gespielt und die beiden Geschwister wollten es nicht haben. Mein Vater sagte Ja und seitdem befindet sich das Radio in der Hand von meinem Vater.
Ich habe es das erste Mal gesehen, als ich vor ca. 5 Jahren mit meinem Vater die Scheune aufgeräumt habe. Irgendwo muss es dort gestanden haben, denn plötzlich stand das Gerät auf der Werkbank und mein Vater stellte den Sender am Gerät ein. Ich fand das Gerät schon damals sehr beeindruckend, die Beleuchtung sah sehr schön aus und das magische Auge hatte auch noch eine gute Leuchtkraft.
Das Gerät haben wir damals mit all den alten Bauteilen einfach ans Netz gehängt, an eine Überprüfung dachte keiner von uns, es lief ja problemlos.
Das Radio spielte dann ein paar Tage, während wir die Scheune weiter aufgeräumt haben, allerdings wollte ich irgendwann mal den Sender verstellen, aber ich konnte den Skalenzeiger nur in eine Richtung drehen, beim drehen in die andere Richtung bewegte sich der Skalenzeiger nicht mit. Irgendwann war ich dann bei 100 MHz angelangt, hatte nur rauschen und ich konnte nicht weiter drehen. Da in die andere Richtung auch nichts ging, haben wir das Gerät ausgesteckt, da wir keinen Sender mehr reinbekommen haben.
Seitdem stand das Gerät dort auf der Werkbank und niemand beachtete es so wirklich.
Ungefähr im Frühling/Anfang Sommer diesen Jahres war ich mal wieder in der Scheune und das Gerät fiel mir ins Auge. Eigentlich ist es ja schade, dass so ein schönes Gerät aus Familienbesitz einfach in der Scheune rumsteht und nicht benutzt wird.
Also habe ich mich dazu entschlossen, das Gerät wieder funktionstüchtig zu machen, irgendwie musste das ja zu schaffen sein. Das Problem war ja eigentlich nur, dass sich die Sendereinstellung nicht mehr bewegen ließ.

Bestandsaufnahme
Zuerst aber habe ich das Gerät in den Garten gebracht und die Rückwand abgenommen. Es war ein trauriger Anblick, alles war verstaubt und am Schalter auf der Rückseite waren zwei Kabel gebrochen. Dass der Schalter im Original dort nicht war und nachgerüstet wurde, war mir damals noch nicht klar.

Zunächst habe ich also den Kompressor angeworfen und das Gerät komplett entstaubt. Danach sah das Chassis schon mal deutlich besser aus und ich habe mir interessiert die Bauteile angeschaut. Ich habe schon viel mit „moderner“ Elektronik (Transistoren, Mikrocontroller etc.) und modernen Geräten (PCs, Fernseher…) gebastelt und experimentiert, aber mit so einem alten Gerät und alten Bauteilen hatte ich noch nie etwas zu tun.
Danach habe ich das Gerät erstmal in unsere Mietwohnung im Haus gestellt, die momentan frei ist und wir aktuell als Bastelzimmer benutzen.

Am Abend habe ich dann mal im Internet geschaut, wie man denn am Besten die Mechanik wieder gängig bekommt und stieß auf diverse Sicherheitshinweise, z.B. dass man bei so einem alten Radio zunächst diverse Kondensatoren erneuern sollte und dass in Röhrenradios sehr hohe Spannungen herrschen.
Spannung war in dem Gerät nach 5 Jahren sicherlich nicht mehr vorhanden :mrgreen: , aber die Kondensatoren waren meines Wissens noch die Originalen. Mein Vater konnte sich auch nicht daran erinnern, dass das Gerät jemals überholt wurde.

Also habe ich das Gerät am nächsten Tag mal komplett auseinandergenommen und war erstmal geschockt - alle Teile waren ja kreuz und quer über Luftverdrahtungen und Lötleisten verbunden, teilweise ohne Isolation! :shock: Sowas hatte ich noch nie gesehen, ich hatte eine Platine erwartet. Dass es da nie einen Kurzschluss gab! Außerdem sahen die ganzen alten Kondensatoren nicht gerade vertrauenserweckend aus.
Jetzt war mir auch klar, warum man ein solches Radio unbedingt vor der erste Inbetriebnahme prüfen und restaurieren sollte.
Ich hatte zwar Erfahrungen mit Elektronik, aber ich war mir dann doch nicht so sicher, ob ich das hinbekomme. Ich habe mich dann im Internet weiter belesen und mich dazu entschieden, das Gerät von einem Fachmann reparieren zu lassen.
Das Radio stand dann einige Monate herum, da ich keine Zeit hatte, mich damit weiter zu beschäftigen. Als ich mal wieder Zeit hatte, habe ich das Gerät wieder zusammengebaut und im Internet Leute gesucht und angeschrieben, die das Radio überprüfen und restaurieren können.
Allerdings verlangten diese in meinen Augen utopische Preise, die ich nicht bereit war zu zahlen. Außerdem waren sie teilweise auch ziemlich unfreundlich. Ich kann, besonders nach der Restauration, nachvollziehen, dass es viel Arbeit ist, ein solches Gerät zu reparieren, aber so viel war mir die Geschichte dann doch nicht wert.

Ich habe mir dann jedenfalls gedacht, dass es ja kein Hexenwerk sein kann, ein solches Radio zu reparieren. Kondensatoren habe ich schon an PC-Mainboards und in Netzteilen getauscht und bei der Hochspannung sollte man seine Augen eben hauptsächlich auf den großen Elkos haben und diese entladen. Zudem habe ich überhaupt nicht eingesehen, solche Preise zu zahlen, damit jemand die Mechanik reinigt und ein paar Teile tauscht, die mich zusammen letztendlich um die 35 € gekostet haben.
Also habe ich mich doch entschieden, das Gerät zu restaurieren. Irgendwann ist schließlich immer das erste Mal und Erfahrungen mit Elektronik hatte ich ja. Es war zwar am Ende doch viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt.

Die eigentliche Restauration
Nachdem ich mir einiges an Informationen zum reparieren angelesen hatte, habe ich zunächst damit angefangen, das gesamte Gerät wieder zu zerlegen, zu reinigen und das Gehäuse zu polieren. Der Lack sah sehr gut aus, es gab nur ein paar kleinere Kratzer und ein etwas größerer Kratzer, aber dafür wollte ich nicht den ganzen Lack abschleifen und neu aufbringen.
Nach dem mehrmaligen aufbringen der Politur sah das Gerät auch schon mal deutlich besser aus und es glänzte wieder richtig. Die Kratzer konnte man ebenfalls kaum noch sehen. Verwendet habe ich eine normale Möbelpolitur, die den Farbton des Gehäuses hatte.

Die Unterseite des Gehäuses zierten Farbspritzer und auch der Boden im Gehäuse sah nicht so toll aus. Also habe ich mich dazu entschlossen, beides mit schwarzem Lack frisch zu streichen. Nach dem Trocknen der Farbe habe ich alle Lautsprecher ausgebaut und die Lautsprecherabdeckungen an der Seite des Gehäuses mit Wasser und Seite gereinigt. Den großen Stoff auf der Vorderseite habe ich nicht gereinigt, da er noch relativ gut aussah und ich ihn nicht von der Holzplatte lösen wollte, auf der er angebracht war. Zudem hatte ich im Internet gelesen, dass diese alten Stoffe teilweise sehr empfindlich sind, also habe ich davon lieber meine Finger gelassen.
Die beiden Abdeckungen habe ich auf der Heizung trocknen lassen. Nach ca. 20 Minuten waren die Teile komplett trocken.
Anschließend habe ich noch die restlichen Teile (Zierleisten, Drehknöpfe etc.) mit Wasser, Seife, Bremsenreiniger und Messingpolitur gereinigt und poliert.
Alles in allem hat das eine ganze Weile gedauert, aber das Gehäuse sah danach wieder sehr schön aus, wenn auch nicht perfekt. Aber ein paar Kratzer und nicht so schöne Stellen können am Gehäuse verbleiben, das Gerät ist ja alt und muss auch ein bisschen alt aussehen :wink: .

Nun ging es an die Elektronik: Nach dem entfernen aller Röhren habe ich zuerst die Werte aller Papier- und Teerkondensatoren aufgeschrieben, zudem habe ich den Kondensator am Netzeingang entfernt und alle Teile auf Brandspuren und andere Schäden untersucht. Stichprobenartig habe ich außerdem die Widerstände durchgemessen, besonders den 10MOhm Widerstand, der den Arbeitspunkt einer Röhre festlegt, der hat bei meinem Nordmende Rigoletto schon Probleme gemacht.
Sonst war das Gerät technisch ebenfalls in sehr gutem Zustand und sah ziemlich unverbastlet aus.

Nach der Bestellung der Kondensatoren bei Antikradio-Restored habe ich auf die Lieferung gewartet und währenddessen den Trafo und die Skalenlampen überprüft. Beides erwieß sich als funktionstüchtig und der Trafo hatte keinen Windungsschluss. Außerdem habe ich ein neues, dreipoliges Netzkabel und einen neuen Schuko-Stecker besorgt, da das alte Netzkabel schon brüchig war und ich mit dem anschließen des Schutzleiters das Radio auch ein bisschen sicherer machen wollte.
Danach wollte ich mich um den Schalter und das Potentiometer auf der Rückseite des Radios kümmern. Die beiden Teile waren mit den Lautsprechern verbunden, und da ich diese schon alle ausgebaut hatte, konnte ich gut an dem Teil arbeiten.
Beim ersten ansehen fiel mir auf, dass der Schalter mit dem Poti irgendwie in die Leitungen der Lautsprecher eingelötet war. Zudem waren die Lötstellen mit Klebeband isoliert.
Ich hatte erste Zweifel, ob die Konstruktion original war. Nach einem Blick auf den Schaltplan war klar, dass die beiden Teile nicht original waren. Nirgendwo im Schaltplan waren diese Teile zu finden. Zudem hatten die Kabel zu den beiden Komponenten nur einen sehr kleinen Querschnitt im Vergleich zu den Lautsprecherkabeln. Die Funktion dieser Konstruktion ist mir nicht ganz klar, anscheinend konnte man damit entweder die Seitenlautsprecher oder den Frontlautsprecher abschalten und dann auf der Rückseite des Geräts noch die Lautstärke regeln. Warum man das umgebaut hat, ist mir schleierhaft. Vielleicht hatte der Umbau aber auch eine komplett andere Funktion, die ich nicht nachvollziehen konnte.

Wie dem auch sei, ich habe die Modifikation ausgebaut und die Lautsprecher wie im Schaltplan verkabelt. Dabei war ich mir aber nicht ganz so sicher, da sich die Kabelfarben im Schaltplan von denen im Gerät unterschieden. Ich bin dann einfach davon ausgegangen, dass das schwarze Kabel der Minus-Anschluss ist und die anderen drei Kabel jeweils für den Front-, die Seitenlautsprecher und den Hochtöner. Damit ist es mir dann gelungen, die Lautsprecher anzuschließen.
Danach habe ich noch die Kabel, die vom Chassis zu den Lautsprechern führen, durchtrennt und mit Lüsterklemmen verbunden, sodass man das Chassis einfach herausnehmen kann. Das entfernen der Drähte war schon beim Ausbau sehr nervig, da man mit dem Lötkolben nur schlecht an die Lötleiste an der Decke des Gerätes kommt und der Zusammenbau ebenfalls sehr fummelig war.
Danach habe ich dann die Lautsprecher wieder in das Gehäuse eingebaut und auch ein paar andere Teile, z.B. die Zierleisten, wieder montiert.

Als dann die Kondensatoren da waren, habe ich mich gleich daran gemacht, diese zu tauschen. Das hat länger gedauert als erwartet, da die Kondensatoren im Gerät teilweise schwer auszulöten und zu entfernen sind. Auch das einlöten gestaltet sich als schwierig, da es sehr eng in dem Gerät zugeht und die Teile teilweise wirklich blöd platziert sind. Manche Kondensatoren waren an Masse-Punkte mit viel Lötzinn angeschlossen, da musste ich meinen 150W Lötkolben aus dem Baumarkt verwenden, um das ganze Zinn auf einmal flüssig zu bekommen und die Kondensatoren sauber einlöten zu können.
Ich habe die Kondensatoren oft mit kleinen Stückchen Kabel angeschlossen, um das Kurzschlussrisiko zu minimieren (teilweise liegen die Bauteile quer übereinander) und da manchmal die Anschlussbeine der Kondensatoren zu kurz waren.

Ein weiteres Problem war der Becherelko - es handelte sich nicht um einen normalen Elko mit Schraubanschluss, sondern er war mit ein paar Halterungen am Chassis befestigt, die dummerweise auch noch als Masse-Punkte benutzt wurden. Nach dem entfernen des ganzen Lötzinns und langem Herumprobieren konnte ich den Elko endlich entfernen.
Als ich dann den neuen Elko mit Schraubanschluss einsetzen wollte, gab es ein weiteres Problem: das Loch war zu klein und das Gewinde passte nicht hindurch.
Daraufhin habe ich meinen Akkuschrauber mit einem kleinen, kegelförmigen Schleifsteine durch das Chassis gequält. Nach etwa 15 Minuten Arbeit war das Loch dann endlich so groß, um den Elko aufzunehmen. Mit einer Rundfeile habe ich dann noch scharfe Kanten entfernt und das Loch sauber gemacht. Zudem habe ich die Metallspäne entfernt, um Kurzschlüsse auszuschließen.
Der Elko passte danach perfekt und auch das anschrauben war kein Problem. Die Mitgelieferte Masse-Platte ließ sich gut löten, sodass ich die ursprünglichen Massepunkte wiederherstellen konnte.

Beim Austausch der Kondensatoren bemerkte ich dann irgendwann, dass ich einen Kondensator mit 5000pF vergessen hatte. Damit sich der Versand wenigstens ein bisschen lohnt, habe ich mir noch Bananenstecker bestellt, um einen Adapter für mein Smartphone zu basteln. Das war zwar etwas nervig, aber naja, da habe ich eben nicht richtig geschaut.

Nach einigem Basteln war ich dann bei dem vorletzten Kondensator am Lautstärke-Poti angelangt. Also das erste Bein warm gemacht und gelöst, dann das Zweite… KRACKS. :shock: - und plötzlich hatte ich einen Teil von dem Potentiometer in der Hand, an dem zwei Widerstände und der o.g. Kondensator angeschlossen waren. Ich hatte schon beim ansetzen des Lötkolbens bemerkt, dass die Stelle irgendwie lose und brüchig war, beim erwärmen hat sie sich dann komplett verabschiedet.
Das hat meine Freude über den bisher guten Ablauf der Arbeiten stark getrübt, da ich damit gerechnet habe, dass das Potentiometer hinüber ist - und Ersatz ließe sich dafür nicht leicht beschaffen, das wäre ein großes Problem.

Ich habe dann das ganze erstmal so belassen und habe den letzten Kondensator getauscht.
Ich habe dann eine Weile gegoogelt, konnte aber nichts dazu finden, wie man einen abgebrochenen Kontakt an einem Potentiometer wieder anbringen kann.
Ich beschloss dann, das Poti einfach mal zu öffnen, evtl. wäre ja noch ein Rest lötbare Fläche da, an den ich die Teile anlöten kann.
Nachdem ich die drei Haltelaschen aufgebogen hatte, konnte ich die Bodenplatte entfernen und sah dann, dass der abgebrochene Kontakt von einer Pertinax-Platte stammte, die auch schon ziemlich brüchig war. Das Interessante aber: Diese Platte lag einfach nur im Poti und diente anscheinend als Isolation zwischen den „richtigen“ Kontakten und der metallenen Bodenplatte, um einen Kurzschluss zu verhindern. Sie war also nirgends verbunden.
Ich schlussfolgerte daraufhin, dass es sich nur um einen Lötkontakt wie bspw. an einer Lötleiste gehandelt haben muss, der einfach nur dazu da ist, damit die Teile nicht in der Luft verbunden werden. Theoretisch könnte ich die Teile also auch einfach so zusammenlöten.
Daraufhin sah ich einen unbenutzten Kontakt an der Lötleiste unter dem Potentiometer, an den ich kurzerhand alle drei Bauteile anlötete. Einen der Widerstände musste ich mit einem Stück versilberten Kupferdraht verlängern, um ihn anzulöten. Sonst gab es keine Probleme.

Ich war ziemlich froh, dass sich das Problem doch so einfach lösen ließ, und hoffte, dass der Anschluss an der Pertinax-Platte nicht doch benötigt wurde. Die Isolation der Bodenplatte habe ich mit Isolationsband wiederhergestellt.
Nachdem ich noch das Kabel am TA-Anschluss isoliert hatte, da dieses sehr kurzschlussgefährdet war, und das dreipolige Netzkabel angeschlossen hatte, war ich mit der elektrischen Überholung soweit fertig. Eine kurze Überprüfung der Sicherung zeigte, dass diese noch intakt war.

Nun konnte ich mich dem letzten Punkt widmen: Der Mechanik.
Ich stattete mich mit Bremsenreiniger, Sprühöl, einer Heißluftpistole und WD40 aus und begann die Untersuchung der Mechanik.
Nach kurzer Zeit habe ich festgestellt, dass sich der große Drehkondensator in die eine Richtung nur noch sehr schwer und in die andere Richtung gar nicht mehr drehen ließ. Also habe ich ihn zunächst mal ein paar Minuten mit einer Heißluftpistole auf 300 Grad erwärmt, um die Verharzungen zu lösen. Mithilfe von Bremsenreiniger habe ich den Kondensator gereinigt. Danach lief er schon deutlich besser, allerdings musste ich die Prozedur noch zwei mal wiederholen, um ihn wirklich wieder leichtgängig zu machen. Danach ölte ich ihn mit ein wenig Sprühöl und ließ dieses kurz einwirken, während ich die Skalenseile und Drähte wieder auf die Umlenkrollen setzte und diese ebenfalls ölte.

Danach wollte ich die beiden Zeiger zusammenkleben, da ich dachte, beide waren ursprünglich zusammen und wären nur gebrochen. :wut: Glücklicherweise hat das Kleben NICHT geklappt und ich habe mithilfe des Seillaufplans bemerkt, dass es wirklich so gedacht war, zwei Zeiger zu haben.
Nach ein bisschen rumprobieren bemerkte ich dann, dass man vorne die Taste „UKW“ drücken muss, um den unteren Zeiger zu bewegen, der laut Seillaufplan für AM da ist, was sich im Nachhinein als falsch herausstellte, denn dieser Zeiger ist für FM da.
Das Problem war nur, dass die Kupplung für den unteren Zeiger rutschte und ich ihn somit nicht bewegen konnte, auch reinigen und ölen der Kupplung half nicht wirklich.
So ein Problem gab es hier auch schon mal und der Tipp mit dem Leder traf voll ins Schwarze: Die Kupplung rutschte kaum und der Zeiger ließ sich wieder drehen!
Da sie noch minimal rutschte, habe ich noch die Feder mit einem kleinen Plastikteil verstärkt, und nun lief die Kupplung auf beiden Bereichen wieder ohne Probleme drehen und rutschte gar nicht mehr.

Nachdem das geschafft war, habe ich mich an den anderen Regler für die Lautstärke und die Ferrit-Antenne gemacht.
Das erste Problem war, dass sich die Ferrit-Antenne nur sehr schwer und auch dann nur sehr schwach drehen ließ. Das lag daran, dass die Seile nicht richtig angebracht waren und sich somit die Seile kaum mitbewegten, wenn man den Drehregler betätigte. Also habe ich die ganzen Seile entfernt, die Halterung der Ferrit-Antenne geölt und anschließend damit angefangen, das Seil neu anzubringen, was sich als sehr schwierig herausstellte, da es keinen Seillaufplan für die Ferrit-Antenne gab.
Nach vielen Versuchen und ca. einer Stunde Arbeit ließ sich die Ferrit-Antenne wieder problemlos und sehr leicht drehen. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es noch: Der Zeiger für die Ferrit-Antenne bleibt, wenn man den Regler ganz nach links dreht, knapp über der 0 und ganz rechts knapp unter der 8 stehen, d.h. die Anzeige ist nicht richtig ausgerichtet. Nach der ganzen Bastelei hatte ich aber keine Lust mehr, alles nochmal abzuwickeln und neu aufzuwickeln, nur, damit alles perfekt passt. Vielleicht habe ich irgendwann mal wieder Lust, das nochmal zu machen, aber da ich sowieso nicht so oft die Ferrit-Antenne benutzen werden, war das für mich nicht so wichtig. Ich lasse sie einfach auf Position 4 oder 5 stehen, dann fällt das nicht so auf. :mrgreen:

Mit ein bisschen Sekundenkleber habe ich dann noch die Ferrit-Antenne an der Halterung angeklebt, da der originale Gummi schon sehr spröde geworden war und die Antenne schon merklich wackelte. Nun hebt die Antenne wieder fest und wackelt nicht mehr.

Das letzte Problem war noch, dass beim drehen des Lautstärkereglers auch die Ferrit-Antenne mitbewegt wurde, da beide über das selbe Poti gesteuert werden. Mit ein bisschen Bremsenreiniger und Sprühöl ließ sich der Fehler sehr schnell beheben und der Regler lief wieder.

Nun waren alle Teile soweit überholt und das Letzte, was noch zu tun war, war der Zusammenbau.
Also schnell die Skalenwand geholt, die Knöpfe befestigt und das Chassis in das Gehäuse eingesetzt. Beim Einbau ist mir noch aufgefallen, dass auf der Skalenwand ein Datum steht: 21. April 1955. Anscheind wurde das Radio im April 1955 hergestellt und ausgeliefert, wenn die anderen Teile zur selben Zeit gebaut wurden.
Nach einem kurzer Test, ob die Mechanik immer noch funktioniert, habe ich alles im Inneren verkabelt. Die Lautsprecherkabel habe ich mit ein bisschen Isolationsband provisorisch befestigt, ursprünglich waren diese mit Tackernadeln befestigt, die ich aber beim Ausbau der Lautsprecher entfernt habe. Das Isolierband sollte fürs erste reichen, aber das sollte nochmal ordentlich gemacht werden.
Anschließend nochmal alles kurz kontrolliert, Röhren in die Fassungen gesteckt und die Rückwand angebracht.

Am Ende hatte ich ein paar Teile übrig, die anscheinend zur Befestigung von irgendwelchen Dingen dienten, allerdings wusste ich nicht mehr, wo diese hingehörten. Die Teile sind schon übrig gewesen, als ich das Radio damals zusammengebaut habe, bevor ich diverse Reparaturbetriebe angefragt habe. Ein weiteres Mysterium war die kleine Kupferplatte, die als Masseverbindung dient - ich habe sie einfach an einer der Chassischrauben befestigt. Da diese Platte bereits ein Loch hatte, bin ich davon ausgegangen, dass sie auch von dort stammt.

Als das Gerät dann komplett zusammgengebaut war, fiel mir erst auf, wie schön das Gerät eigentlich mit dem Holzgehäuse, der Skala und den Zierleisten aussieht - sowas gibt es heute nicht mehr. Mir persönlich gefällt das Gerät sehr und das zeigt auch, dass so ein Radio damals Luxus und etwas Besonderes war, wofür man lange sparen musste und was auch pfleglich behandelt wurde.

Dann war es endlich soweit - der Test stand an.
Also das Radio in den Garten getragen, eine 60W-Vorschaltlampe angeschlossen, nochmal kontrolliert ob das Radio auf 220V steht und dann die UKW-Taste gedrückt.
Die Vorschaltlampe blitzte kurz auf und glimmte dann nur noch sehr schwach. Die Skalenbeleuchtung ging an und nach ein paar Sekunden begann die EM34 grün zu glimmen. Ein paar Augenblicke später war ein leises rauschen zu hören.
Das Rauschen wurde immer lauter, bis die Endlautstärke erreicht war. Nachdem ich das Radio auf 92.2 MHz (SWR3) gestellt hatte und das magische Auge vollen Ausschlag anzeigte, entfaltete das Gerät seine wahre Pracht: Der Bass war für solch ein altes Radio erstaunlich und der Klang war sehr klar. Der Grundig spielte einfach fantastisch, so toll hatte ich das Radio nicht in Erinnerung. Die Klangregler für die Höhen und Tiefen funktionieren einwandfrei und man bekommt viele Sender rein. Ich war wirklich überrascht und hörte dem Gerät ein paar Minuten zu und genoss den Klang des „alten Kastens“.
Nach dem ausschalten habe ich das Gerät wieder zurück in die Wohnung gebracht und dort steht es jetzt seit dem Wochenende und erfreut mich und die anderen Familienmitglieder mit schönem Röhrenradio-Klang. :D
Auch der Adapter von Klinke auf Bananenstecker zum Anschluss eines Handys funktioniert viel besser als an meinem Nordmende Radio, man hat kaum rauschen und einen klaren Klang.

Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass das Gerät wieder spielt, alles auf Anhieb geklappt hat und dass es keine Probleme gab.

Es gibt noch ein paar Dinge und Kleinigkeiten, die man erledigen sollte:
- Heizspannung überprüfen, da sich das Gerät nur auf 220V stellen lässt und evtl. einen Widerstand einbauen (Unsere Netzspannung liegt deutlich näher an 240 als an 220 V)
- Den bereits o.g. Zeiger für die Ferrit-Antenne justieren
- Die Lautsprecherkabel ordentlich fixieren
- Der Hochtöner funktioniert leider nicht, das scheint aber ein häufiges Problem zu sein, anscheinend bekommt man diesen durch das reinigen der Kontaktflächen wieder zum laufen, das muss ich mir nochmal genau anschauen
- Die Regler für Bass und Höhen lassen sich nicht soweit drehen wie auf der Skala vorgesehen (wenn sie ganz nach rechts gedreht sind, füllen sie nur 3 1/2 der 5 Löcher aus)
- Wenn ich den Lautstärkeregler drehe, dreht sich die Ferrit-Antenne doch noch minimal mit
- Klären, wofür die Taste ganz rechts am Radio ist (FA)
- Ich möchte hinten am Radio einen Schalter einbauen, um das magische Auge auszuschalten, wenn es nicht benötigt wird - bei mir spielt das Radio öfter mal ein paar Stunden einen Sender, während ich bastle und arbeite, da muss das Auge nicht leuchten, da wird es nur abgenutzt. Da hinten schon Löcher für einen Schalter vorhanden sind (aufgrund der Modifikation mit dem Schalter und dem Poti) sollte das montieren kein Problem darstellen.
- Den Platz für die übrig gebliebenen Teile suchen

Fazit: War mal was anderes als PCs und moderne Elektronik und hat Spaß gemacht - das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und ich weiß jetzt, dass das reparieren eines alten Röhrenradios kein Ding der Unmöglichkeit ist. :wink:
Auch, wenn das Ergebnis nicht perfekt ist, gefällt mir das Gerät sehr gut und ich gebe es nicht mehr her.

Bedanken wollte ich mich noch bei allen Helfern hier im Forum und dem Betreiber, der diese Plattform zur Verfügung stellt, denn ohne das Forum hätte ich doch einige Schwierigkeiten gehabt :danke: :drftoll: :super: .

Im Anhang gibt es ein paar Fotos von dem Gerät. Weitere Fotos gibt es in den nächsten Beiträgen.


Dateianhänge:
Dateikommentar: Die Lötleiste für die Lautsprecher mit den Kabeln für den Schalter und das Potentiometer
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IMG_1793.JPG [ 136.6 KiB | 924-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Die Kabel des AÜs zu den Lautsprechern
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IMG_1791.JPG [ 130.27 KiB | 924-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Originalzustand des Chassis
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IMG_1777.JPG [ 129.71 KiB | 924-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Tackernadeln zum befestigen der Lautsprecherkabel/Fassung der EM34
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IMG_1774.JPG [ 114.1 KiB | 924-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Originalzustand des Geräts nach einer ersten Reinigung
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Zuletzt geändert von TheJukeboxMan am Do Nov 10, 2016 19:47, insgesamt 2-mal geändert.
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Dateikommentar: Der polierte Lack
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Dateikommentar: Das fertige Gehäuse
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Dateikommentar: Die neue Farbe im Inneren
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Dateikommentar: Das polierte Gehäuse von oben
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Dateikommentar: Die frische Farbe auf der Unterseite des Geräts
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BeitragVerfasst: Do Nov 03, 2016 22:15 
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Dateikommentar: Die abgebrochene Lötlasche am Lautstärkepotentiometer + die beiden Widerstände mit dem neuen Kondensator
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Dateikommentar: Der nachgerüstete Schalter + das nachgerüstete Potentiometer
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Dateikommentar: Die Befestigung des Elkos mit den Massepunkten
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BeitragVerfasst: Fr Nov 04, 2016 11:50 
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Kenntnisstand: Elektrotechnischer Beruf/ Studium
Hi,

da hast du einen schönen Bericht geschrieben. Hat Spaß gemacht zu lesen.
Danke
Oliver
P.s. Die alten Teile kannst du in eine Tüte packen und zum Gerät legen. Die gehören dazu und später weiß man dann was repariert wurde.

_________________
Nette Grüsse aus dem Ruhrgebiet.


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BeitragVerfasst: Fr Nov 04, 2016 20:34 
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Wohnort: Esslingen
Kenntnisstand: Weitergehende Kenntnisse (Hobby)
Hallo Marvin,

einen schönen Bericht hast Du da geschrieben, vielen Dank dafür!

Da bei mir ein Grundig 3028 auf die Werkbank lauert, werde ich Deine Anregung mit der trennbaren Ausführung der Lautsprecherzuleitungen aufgreifen, die sieht beim 3028 ähnlich aus wie bei Deinem Gerät.

Solche Lüsterklemmen gibt es sogar in steckbarer Ausführung, allerdings nicht im Baumarkt.


Grüße

Martin


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BeitragVerfasst: Fr Nov 04, 2016 21:26 
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Wohnort: Duisburg
TheJukeboxMan hat geschrieben:
- Klären, wofür die Taste ganz rechts am Radio ist (FA)


Ein schöner Bericht! Danke dafür.

FA steht für (F)ern(A)ntenne. Damit schaltest Du zw. dem internen Dipol auf eine eventuell angeschlossenen Hochantennne um.

Gruß... Hotte

_________________
Persönliche Kontaktaufnahme nur per E-Mail, nicht per PN!
Die Adresse findet man hier: http://www.reinsch-online.de/Impressum/impressum.htm


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BeitragVerfasst: Fr Nov 04, 2016 22:25 
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Wohnort: östliches Niedersachsen
Kenntnisstand: Sehr gute Kenntnisse (Hobby)
Ich schließe mich meinen Vorrednern an: ein schöner Bericht!

Zu der Ferritantenne bzw. dem Schalter dafür: Der Dipol im Gehäuse dient in erster Linie für den UKW-Empfang. Für die anderen Wellenbereiche wirkt er nur, wenn der Antennenumschalter (das ist die umlegbare Lasche neben den Antennenbuchsen) in der entsprechenden Stellung steht. Allerdings ist das besonders für Mittel- und Langwelle kaum mehr als eine Behelfsantenne, denn dafür ist sie viel zu kurz. Besser ist der Empfang mit einer Hochantenne, die aus 10-20 Metern möglichst hoch ausgespanntem Draht besteht. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, so eine Antenne aufzubauen. Die Ferritantenne, die in der 1. Hälfte der 50er Jahre eingeführt wurde, ist viel praktischer und nimmt auch weniger Störungen auf, außerdem ist sie oft, wie bei Deinem Radio, drehbar, wodurch sich Störungen ausblenden und die beste Empfangrichtung einstellen lassen. Allerdings hat das das heute nicht mehr die Bedeutung wie 1955, denn es gibt in Deutschland keine Mittel- und Langwellensender mehr.

Lutz


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BeitragVerfasst: Fr Nov 04, 2016 22:37 
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Wow... - was für ein toller Bericht. Damit schließe ich mich den werten Vorrednern an! :super: :danke: So etwas wird immer gerne gelesen...

Die Ferritantenne hat für mich zumindest ihre Bedeutung noch nicht verloren, blendet sie doch hier recht manierlich den aus einer Richtung kommenden "Müll" fast ganz aus. Dass aus der Richtung eventuell einfallende Nutzsignale damit natürlich auch flöten gehen, muss ich halt leider in Kauf nehmen.

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der Herby mit dem Derby

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BeitragVerfasst: Sa Nov 05, 2016 9:39 
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Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.
Ich bin kein großer Grundig-Fan, besitze aber ein 3033/3D Ferndirigent.
Das sind sehr gute Geräte mit großartigem Klang und gutem Empfangsteil.

Schön, dass Dein Gerät erhalten bleibt :)

Gruß,
Daniel

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Daniel


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BeitragVerfasst: Sa Nov 05, 2016 22:10 
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Freut mich, dass doch ein paar Leute Gefallen an dem Bericht gefunden haben, obwohl ich sehr viel verändert habe und ich das Gerät an manchen Stellen etwas originaler hätte belassen können.

olli0371 hat geschrieben:
P.s. Die alten Teile kannst du in eine Tüte packen und zum Gerät legen. Die gehören dazu und später weiß man dann was repariert wurde.

Ja, das werde ich auf jeden Fall machen, danke für den Tipp. Ich werde auch eine Liste mit allen Änderungen/Reparaturen zusammenstellen und diese ins Gerät legen, damit man auch in ein paar Jahren noch weiß, was genau repariert wurde. Den Reparaturhelfer und einen Schaltplan werde ich auch noch beilegen, inkl. der geplanten Modifikation mit dem magischen Auge.

Hobbybastler hat geschrieben:
Da bei mir ein Grundig 3028 auf die Werkbank lauert, werde ich Deine Anregung mit der trennbaren Ausführung der Lautsprecherzuleitungen aufgreifen, die sieht beim 3028 ähnlich aus wie bei Deinem Gerät.

Das macht die Arbeit wirklich einfacher, das ablöten der Drähte ist sehr fummelig. Ich habe die Drähte relativ weit unten am AÜ durchtrennt, sodass man notfalls die Lüsterklemmen entfernen und das Kabel wieder einfach so anlöten könnte, falls man den Originalzustand wiederherstellen möchte.
Meinst du mit der "steckbaren Ausführung" die WAGO-Terminals?

Hobbybastler hat geschrieben:
FA steht für (F)ern(A)ntenne. Damit schaltest Du zw. dem internen Dipol auf eine eventuell angeschlossenen Hochantennne um.

Danke für die Info - dann müsste theoretisch beim drücken der Taste nur noch Rauschen zu hören sein, wenn keine Hochantenne angeschlossen ist, oder?
Ich war da etwas irritiert, denn in einem Video auf YouTube über ein amerikanisches Grundig-Radios habe ich gesehen, dass die FA-Taste zum ein- und ausschalten des Stereo-Dekoders gedacht war. Da mein Gerät aber keinen Stereo-Dekoder hat, war ich da etwas ratlos.

röhrenradiofreak hat geschrieben:
Allerdings hat das das heute nicht mehr die Bedeutung wie 1955, denn es gibt in Deutschland keine Mittel- und Langwellensender mehr.

Ich habe vor ein paar Tagen mal abends ein bisschen mit der Ferrit-Antenne und LW/MW rumgespielt und tatsächlich einige ausländische Sender reinbekommen - das fand ich ziemlich interessant. Dass sich die Antenne intern drehen lässt, ist, wie du bereits gesagt hast, eine große Hilfe, da man bei passender Position doch merklich weniger Störungen hat.
Aber wie du bereits sagst, deutsche Sender bekommt man natürlich nicht mehr rein.


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BeitragVerfasst: Mo Nov 07, 2016 17:19 
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TheJukeboxMan hat geschrieben:
....
Ein weiteres Mysterium war die kleine Kupferplatte, die als Masseverbindung dient - ich habe sie einfach an einer der Chassischrauben befestigt. Da diese Platte bereits ein Loch hatte, bin ich davon ausgegangen, dass sie auch von dort stammt.....


Ein sehr schöner Bericht ! :super: Klasse, dass das alles so gut geklappt hat.

Eine Stelle habe ich als Zitat herausgepickt. Könnte es sein, dass diese kleine Kupferplatte zwischen Holzgehäuse und Bodenpappe verschraubt war? Manchmal war ein Stück Kupferblech mittels kurzem Kabel an das Chassis gelötet, die Bodenpappe ihrerseits war innen metallbeschichtet. Das Blech, das am Chassis hing, wurde nun zwischen Holz und Metallbeschichtung der Platte geklemmt und mittels einer der Holzschrauben dort festgeschraubt. Dient dazu, die abschirmende Bodenplatte mit dem Chassis zu verbinden.

Gruß
k.

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2 Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir allerdings noch nicht sicher (Einstein).


Zuletzt geändert von klausw am Di Nov 08, 2016 10:04, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mo Nov 07, 2016 21:11 
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Zitat:
TheJukeboxMan hat geschrieben:
Zitat:
Das macht die Arbeit wirklich einfacher, das ablöten der Drähte ist sehr fummelig. Ich habe die Drähte relativ weit unten am AÜ durchtrennt, sodass man notfalls die Lüsterklemmen entfernen und das Kabel wieder einfach so anlöten könnte, falls man den Originalzustand wiederherstellen möchte.
Meinst du mit der "steckbaren Ausführung" die WAGO-Terminals?


Nein, diese steckbare Ausführung sieht aus wie Lüsterklemmen, nur dass die beiden Riegel eben trennbar sind.
Ich habe leider gerade kein Foto davon zur Hand.
Die Dinger gibts z.B. bei Reichelt, aber auch unser ortsansässiger Elektronikladen (Mükra) hat sie vorrätig.


Grüße

Martin


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BeitragVerfasst: Di Nov 08, 2016 11:31 
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ahhhh Mükra mein Lieblingsladen......ja ich hab die Dinger auch für den Lautsprecherbau...schnell was zusammengesteckt und bei Bedarf zu testen auch gleich umgepolt...kann man beliebig teilen zu finden unter "Lüsterklemmen steckbar"

_________________
Gruss Nad

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BeitragVerfasst: Di Nov 08, 2016 19:58 
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klausw hat geschrieben:
Könnte es sein, dass diese kleine Kupferplatte zwischen Holzgehäuse und Bodenpappe verschraubt war? Manchmal war ein Stück Kupferblech mittels kurzem Kabel an das Chassis gelötet, die Bodenpappe ihrerseits war innen metallbeschichtet. Das Blech, das am Chassis hing, wurde nun zwischen Holz und Metallbeschichtung der Platte geklemmt und mittels einer der Holzschrauben dort festgeschraubt. Dient dazu, die abschirmende Bodenplatte mit dem Chassis zu verbinden.

Danke für den Hinweis! Das werde ich mir auf jeden Fall nochmal genau anschauen.
Die Bodenpappe war auf der einen Seite schwarz, aber auf jeden Fall irgendwie metallisch beschichtet - vielleicht ist die ehemals silberne Beschichtung einfach über die Jahre schwarz und dunkel geworden?
Das klingt für mich aber auf jeden Fall sehr plausibel, das werde ich mir mal genau anschauen.

Hobbybastler hat geschrieben:
Nein, diese steckbare Ausführung sieht aus wie Lüsterklemmen, nur dass die beiden Riegel eben trennbar sind.

@nflanders hatte heute Mittag noch Bilder von den Lüsterklemmen in seinem Posting, jetzt ist mir klar, welche du meinst. Ja, das ist natürlich die bessere Variante, da geht das ausbauen des Chassis noch schneller und die Kabel gehen durch den Druck der Schrauben nicht kaputt.

Nachtrag 10. November 2016:
Ich habe mittlerweile den Schalter für das magische Auge eingebaut, Infos dazu findet man hier. Nun sollte das magische Auge ein bisschen länger leben.
Außerdem habe ich, wie oben empfohlen, die Kupferplatte an die Schirmung der Bodenpappe angeschlossen, jetzt ist das auch am richtigen Platz. Die kleine Platine an dem großen Lautsprecher habe ich bei meinen Arbeiten im Gehäuse versehentlich angestoßen und sie ist abgefallen, das habe ich dann noch mit ein bisschen Heißkleber wieder angeklebt.

Ich habe dennoch noch ein paar Dinge zu tun:
- Heizspannung überprüfen, da sich das Gerät nur auf 220V stellen lässt und evtl. einen Widerstand einbauen (Unsere Netzspannung liegt deutlich näher an 240 als an 220 V)
- Den bereits o.g. Zeiger für die Ferrit-Antenne justieren
- Die Lautsprecherkabel ordentlich fixieren
- Der Hochtöner funktioniert leider nicht, das scheint aber ein häufiges Problem zu sein, anscheinend bekommt man diesen durch das reinigen der Kontaktflächen wieder zum laufen, das muss ich mir nochmal genau anschauen
- Die Regler für Bass und Höhen lassen sich nicht soweit drehen wie auf der Skala vorgesehen (wenn sie ganz nach rechts gedreht sind, füllen sie nur 3 1/2 der 5 Löcher aus)
- Wenn ich den Lautstärkeregler drehe, dreht sich die Ferrit-Antenne doch noch minimal mit
- Den Platz für die übrig gebliebenen Teile suchen

Als nächstes nehme ich mir den Hochtöner und die Überprüfung der Heizspannung vor, die anderen Dinge sind (hoffentlich) nur noch Kleinigkeiten :super: .

Im Anhang findet ihr noch ein Bild von den Lüsterklemmen am AÜ.

Gruß
Marvin


Dateianhänge:
Dateikommentar: Die Lüsterklemmen zum trennen der Lautsprecherkabel und zum einfachen entfernen des Chassis
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IMG_3596.JPG [ 138.1 KiB | 500-mal betrachtet ]
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