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Dampfradioforum • Thema anzeigen - Reparatur eines Autoradios nach Fremdeingriff

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BeitragVerfasst: Sa Jan 12, 2019 17:32 
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Heute beschäftigte ich mich wieder einmal mit so einem Autoradio:
https://www.radiomuseum.org/r/conti_edi ... er_hf.html
Fehler: auf UKW kein Empfang, kein Rauschen, völlige Stille. Auf den AM-Bereichen war etwas Empfang vorhanden.

Nach dem Öffnen des Gehäuses stellte ich fest, dass schon einmal ein Reparaturveresuch unternommen wurde: Jemand hatte offensichtlich versucht, das UKW-Teil auszubauen: es saß locker, weil mehrere Schrauben fehlten. Der Deckel des UKW-Teils ist mit einer mehrere cm langen Lötnaht mit einem Blechwinkel verbunden, der die Antriebswelle für die Senderwahl führt. An dieser Lötnaht ist mein Vorgänger wohl gescheitert, wie entsprechende Spuren zeigten. Um diese Stelle zu entlöten, braucht man einen Lötkolben mit mindestens 80 bis 100 W.

Eine Überprtüfung Stufe für Stufe ergab, dass auch an allen ZF-Filtern gedreht worden war. Schließlich stellte ich fest, dass der 1. ZF-Transistor einen extrem hohen Leckstrom hatte. Nach dessen Austausch war leises Rauschen zu hören, ein eingespeistes ZF-Signal wurde nach einem Abgleich einwandfrei wiedergegeben, aber auf UKW gab es immer noch keinen Empfang. Der Oszillator im UKW-Teil arbeitete nicht.

Also habe ich die Abschirmung des UKW-Teils entfernt und einige Spannungen gemessen, die aber völlig unplausibel waren. Mein Vorgänger hatte die Kabel, die zum UKW-Teil führen, vertauscht angelötet! Und zwar so, wie es im Schaltplan steht, den man im Netz findet. Nur muss der Hersteller die Kabelfarben gemeinerweise irgendwann geändert haben, warum auch immer. Wenn ich das nicht gewusst hätte (vor knapp einem Jahr hatte ich schon einmal das UKW-Teil eines solchen Radios repariert), wäre die Chance, dieses Radio wieder zum Spielen zu bringen, gegen Null gegangen.

Nach korrektem Anschluss des UKW-Teils lief der Oszillator, und es war bei Einspeisung eines sehr starken Signals Empfang da. Es mangelte aber sehr an Eingangsempfindlichkeit.

Die Vorstufe arbeitete nicht. Das hatte zwei Gründe: Der Vorstufentransistor (AF102) hatte einen Feinschluss zwischen Emitter und Gehäuse, Das kommt bei Transistoren dieser Bauform öfter vor, Ursache ist das Wachstum von Whiskern in der Ölfüllung. Außerdem war der Widerstand, über den die Emitterspannung zugeführt wird, unterbrochen. Das war aber nicht etwa eine Folge des defekten Transistors, an der Betriebsspannung von 8 V kann ein 560 Ohm-Widerstand auch gar nicht überlastet werden. Der Widerstand war vielmehr mechanisch defekt, ein Anschlussdraht hatte sich vom Widerstandskörper gelöst.

Nach Ersatz der beiden Bauteile, Zusammenbau und Abgleich des UKW-Teils war der Empfang wieder, wie er sein sollte.

Lutz


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BeitragVerfasst: Sa Jan 12, 2019 17:48 
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Glückwunsch Lutz und mal wieder eine 1A Reparaturbericht.
Sicherlich hast du dir schon den Doktortitel in der Autoradio Reparatur verdient :super:

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M.f.G.
harry

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- Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.
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BeitragVerfasst: Sa Jan 12, 2019 18:00 
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Danke für die Blumen.

Aufgrund von Kontakten zur hiesigen Oldtimerszene bekomme ich öfter Autoradios zur Instandsetzung. Wenn man öfter Geräte bestimmter Typen repariert, stellt sich eine gewisse Routine ein. Das führt nicht nur dazu, dass es schneller geht, sondern auch dazu, dass man Fehler findet, die jemand nicht finden würde, der so ein Gerät noch nie in den Fingern hatte.

Einen erfolglosen Reparaturversuch zu verschweigen, kann den Reparaturaufwand aber sehr in die Höhe treiben oder eine Reparatur unmöglich machen. Das sollten sich die betreffenden Laienbastler einmal klarmachen.

Lutz


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BeitragVerfasst: Sa Jan 12, 2019 18:07 
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auch Danke für interessante Bericht.

Ich habe eine interessante Frage: Wie gehst du bei Transistor mit Bauform TO-7 um? Ersetzt du ihm durch moderne unproblematische Germaniumstransistor? Ich tendierte zu diese Punkt, da man mit Kunde nicht Ärger haben wollen.

Grüss
Matt

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BeitragVerfasst: Sa Jan 12, 2019 20:20 
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Da ich keinen typgleichen Transistor hatte, stellte sich diese Frage nicht, ich musste zwangsfäufig einen Vergleichstyp nehmen.

Laut ECA-Vergleichstabelle sind AF106 und AF306 Ersatztypen für den AF102. Diese habe ich aber auch nicht. Für beide wiederum wird der AF121 als Ersatztyp angegeben, davon habe ich etliche. Damit funktioniert die Vorstufe einwandfrei.

Hätte ich einen AF102 gehabt, hätte ich diesen wahrscheinlich trotzdem nicht eingebaut, da ich schon mehrfach diese Art Fehler bei diesen Transistoren hatte. Das UKW-Teil dieses Radios zu öffnen, macht einige Arbeit, da wäre es doppelt ärgerlich, wenn der Ersatztransistor nach wenigen Jahren wieder defekt ist. Bei einem nicht besonders seltenen Gerät von 1965 kommt es, gerade an einer so versteckten Stelle, nicht so sehr auf Originalität an.

Im Oszillator ist übrigens ein AF125 verbaut, der nicht zu diesem Fehler neigt.

Lutz


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BeitragVerfasst: Sa Jan 12, 2019 21:18 
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Gut, wir denken gleich: bloss nicht TO-7 Transistor wiederverwenden /verbauen.

Ich habe vor 2 Wochen auch eine Ärger mit 2N1517 & AF114. In diese Fall bin ich zu faul und hatte es durch 2x BC557 ersetzt ( Horziontal-Verstärker von Oszilloskop)

Grüss
Matt

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BeitragVerfasst: Mi Jan 23, 2019 13:45 
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Hallo Lutz,

vielen Dank für diesen schön geschriebenen und informativen Bericht.

Ehrlich gesagt bewundere ich immer wieder, wie Du diese Geräte reparierst. Für mich wäre das nichts, viel zu viel Bauteile auf engem Raum, ich glaube dazu würde meine Geduld nicht ausreichen.

Viele Grüße
Frank

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Viele Grüße aus der Pfalz!

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BeitragVerfasst: Mi Jan 23, 2019 13:53 
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Laßt mich mal nicht dumm sterben: was ist an Transistoren mit TO-7-Gehäuse so kritisch ? Whisker ?

H.

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BeitragVerfasst: Mi Jan 23, 2019 19:24 
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Diese Transistoren neigen zum Wachstum von Whiskern zwischen dem Innenleben und dem Gehäuse. Dadurch entsteht ein Kurzschluss mit einem Widerstand von einigen 10 bis 100 Ohm, der natürlich die Funktion der betreffenden Stufe stört. Oft ist der Emitter betroffen, wenn das Gehäuse am Minuspol liegt und die Potentialdifferenz dazwischen somit am größten ist. In diesem Fall war es die Basis, mit einem Widerstand von ca. 100 Ohm.

Diesen Kurzschluss kann man meist schon mit mäßigen Strömen beseitigen, der Whisker brennt dann sozusagen durch. In diesem Fall genügte schon der Messtrom eines analogen Ohmmeters im niedrigsten Widerstandsbereich. Das ist aber oft nicht von langer Dauer, der Kurzschluss ist nach einiger Betriebszeit wieder da.

Lutz


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