Von sammlerischer Hybris

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holger66
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Von sammlerischer Hybris

Beitrag von holger66 »

Hallo Forum,

vor circa 15 Jahren wirkte ich an der Erfassung und schließlich an der Auflösung der Radiosammlung von Wilhelm Hüserich in Köln mit. Das dauerte insgesamt fast 3 Jahre – kein Wunder, die Access-Datenbank umfaßte am Ende über 8.000 Einträge. Die letzten etwa 2.500 Stücke verschwanden in zwei Hochsee-Containern auf Nimmerwiedersehen in Richtung Ostasien. Vorher hatte ich insgesamt 15 bis 20 Geräte abgegriffen, die mich besonders interessierten, ungefähr die Hälfte davon habe ich bis heute in meiner Sammlung.

Das Ziel des alten Herrn war die Begründung eines Museums gewesen, wozu es aber nie kam, da er über immer neue Trödelmärkte zog und kaufte, was die Brieftasche hergab – und das war allerhand. Zeit und Muße zur Strukturierung seiner Sammlung brachte er nie wirklich auf. Und wirklich Löten und Reparieren konnte er schon gar nicht.

Irgendwann erkannte er seine sammlerische Hybris selbst, die Sache wuchs ihm in einem kalten Winter über den Kopf, als in dem eiskalten Haus aus dem Jahr 1900, in dem seine Sammlung stand, Fensterscheiben aus einem der Räume im dritten Stock samt Rahmen in den Garten stürzten. Er hatte lieber Radios gekauft, als mal neue Fenster einsetzen zu lassen…..

Mithin war das insgesamt nichts anderes als ein Radiofriedhof, das war auch jedem Besucher klar. Und jeder, der da durchzog, versuchte unwillkürlich, einige wenige Stücke zu sich zu holen und ihnen damit die Würdigung zukommen zu lassen, die ihnen zusteht. Jedem ernsthaften Sammler blutete dabei das Herz, das ist doch sonnenklar.

Ich wollte so etwas nie wieder sehen und schon gar nicht bei der Entsorgung der Reste behilflich sein. Und doch kam es nun wieder dazu. Schon einmal im März und heute erneut war ich zu Besuch in einem Ort etwa 40 Kilometer von hier, in einem Haus, in dem Ähnliches zu bestaunen ist.

Zwei Brüder, von denen einer schon länger verstorben ist, hatten ein grundsolides, großes, aber nie ernsthaft renoviertes Stadthaus aus den 1880er-Jahren samt diverser Nebengebäude so lange gefüllt, bis nichts mehr hinein paßte. Spätestens dem jüngeren Bruder muß in dem Moment auch die sammlerische Hybis klargeworden sein, als er alleine damit zu stehen gekommen war. Die Auflösung hatte also schon vor einigen Jahren begonnen, insgesamt müssen es auch hier über 3.500 Geräte gewesen sein, außerdem ein Vielzahl von Schellackplatten im sicher fünfstelligen Bereich…..

Mit Dante bin ich versucht, wie folgt zu formulieren: „Sammler, lasset, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren !“ Es herrscht dort ein solches Tohuwabohu, dass zwingend davon auszugehen ist, dass am Ende größere Mengen an Geräten und Schellacks kostenpflichtig entsorgt werden müssen, bevor an eine Grundsanierung des ehrwürdigen Hauses auch nur zu denken ist, das heute leider an einer viel befahrenen Hauptverkehrsstraße liegt. Und das, obwohl der Durchschnitt der angebotenen Gerätschaften in bedeutend besserem Zustand ist, als weiland bei der Auflösung der Kölner Sammlung – und billiger sind sie obendrein.

Warum schreibe ich das in unser Dampfradioforum ? Es erfolgt sozusagen als Warnung – das sollte keiner nachmachen.

Mir kam unwillkürlich der Gedanke: da haben sich die Brüder womöglich für unsterblich gehalten und alles gekauft, was ihnen vor das Rohr kam und was bezahlbar erschien. Ich habe auch einige Geräte erstanden, von denen ich die weitaus meisten aber fertig machen und noch im Laufe des Jahres wieder verkaufen möchte, was mir meistens auch gelingt. Mein mitreisender Sammlerkollege, der auf Vorkriegsgeräte steht, kaufte gleich so viele, dass sein Citroen Berlingo randvoll wurde. Aber auch er ist schon 74……

Meine eigene Sammlung ist mir mittlerweile auch viel zu groß geworden, es sind etwa 130 Geräte. Die sind aber praktisch alle durchrepariert und könnten von anderen Sammlern oder sonstigen Interessenten fast alle intakt übernommen werden. Weil ich aber ein lädierte Schulter habe, bekomme ich keine schwereren Geräte mehr ohne Hilfe auf meinen Dachboden, wo die Sammlung steht ! Ihr glaubt nicht, wie oft ich schon mit dem Gedanken gespielt habe, mal 100 Stück an einen der Aufkäufer abzugeben, um mir diesen….Ballast vom Hals zu schaffen. Oder lieber doch nicht ? All’ die Arbeit, die Teilesuchen, die Löterei, die Lackierorgien…...

Ich bin allerdings „erst“ 59 und habe so vielleicht noch 20 Jahre Spaß an den Geräten, die ich behalten werde. Aber dann…..steht wieder irgendwer vor demselben Problem.

Fazit: entweder man löst die Sammlung noch zu Lebzeiten bis auf ein paar besonders schöne, seltene oder sonstwie interessante Stücke auf – oder aber die Erben werden den Erblasser unweigerlich für sein Versäumnis verfluchen.

Und dann: die Sammler werden bekanntlich immer weniger – und mithin die pro Sammlung potentiell verfügbaren Geräte immer mehr, denn wegwerfen wird man die ja heute auch nicht mehr. Folge: die Preise sind im Keller und man kommt wieder in Versuchung.

In das Dilemma kommen früher oder später alle Sammler, da soll sich keiner Illusionen machen. Röhrenradios sind keine Briefmarkenalben, die man im schlimmsten Fall ins Altpapier geben kann.

Und doch bin ich heute wieder schwach geworden – den superseltenen Kaiser „Breslau“ W1090 mit EL12 für 20 Euro mußte ich kaufen, das ging nicht anders. Und wenn ich den zur vollen Funktion bekomme, darf der auch bleiben…..es ist ein Elend damit….

Euer
Holger
UKW: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.....
radioschrat
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Re: Von sammlerischer Hybris

Beitrag von radioschrat »

Ich habe vor Jahren an anderer Stelle schon ähnliches zu den Sammlern von Wehrmachtsgeräten geschrieben. Sobald einer der meist älteren Herrschaften zu seinen Ahnen abreitet, kommen die anderen und kaufen alles auf. Irgendwann ist einer übrig, der dann alles hat. Dessen Erben tun mir jetzt schon leid.

Die Psychologen kennen das Krankheitsbild (genau das ist es) der von Dir beschriebenen Fälle als 'pathologisches Horten', und das betrifft nicht nur Leute, die ihren Müll jahrelang nicht zur Tonne tragen. Die AOK Köln hat eine Broschüre dazu.

Persönlich habe ich mich schon vor Jahren auf belgische Geräte spezialisiert; davon gibt es hier nicht so viele. Zu dem Thema habe ich noch vier Stück sowie einen Saba 455 im Wohnzimmer, der Bleiberecht hat, weil ich ihn schon über 30 Jahre besitze. In der Küche/Esszimmer steht ein Grundig 4035 3D, der im täglichen Gebrauch ist. Dazu kommen zwei kleine Radiorecorder und 3 bis 4 Geräte im Keller, darunter die beiden Radios meiner Eltern und meiner Oma.

Das ist alles. Und so wird das auch bleiben, zumal ich nicht mehr aktiv suche.

Ralf
Vor Ziehen des Geräts den Netzstecker öffnen!
andreas1962
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Re: Von sammlerischer Hybris

Beitrag von andreas1962 »

Moin,

nach einigen Haushalts- und Werkstatt-Auflösungen/Entrümpelungen sehe ich das Sammeln gelassener. Als Jugendlicher mit wenig Geld träumte ich von Geräten, die ich in damals aktuellen und auch alten Katalogen sah. Die Röhrengeräte die ich bei Familenbesuchen bei den Verwandten sah, wurden sofort ausprobiert. Mit den später abgelegten Geräten und Sperrmüll-Funden begann meine Radio-Bastelei.

Heute habe "nur" diese Modelle in meiner Sammlung: Geräte aus meiner Jugend-Bastelzeit und Geräte die mich aufgrund ihrer Technik interessieren. Einige hatte ich ja bereits im Forum vorgestellt. In Summe sind es ca. 25 Röhrengeräte und ca. 30 Transistorgeräte.

Andere Geräte dürfen nach Reparatur weiterziehen. Aber es ist schwer, so etwas durchzuhalten. Ich hatte bei Räumungen z.B. diese Geräte in den Händen: UKW-Emil E und andere Wehrmachts-Geräte, Loewe 2H3N, verschiedene VE´s und andere Vorkriegs-Radios, verschiedene Saba Freiburg, viele Grundig-/ Philips-/ Körting-/ Blaupunkt-Oberklasse Radios der 50er Jahre.

Da habe ich mir oft die Frage gestellt: Willst Du diese Geräte behalten und wo sollen sie hier stehen?


Viele Grüße


andreas
Binser
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Re: Von sammlerischer Hybris

Beitrag von Binser »

Moin,

treffender hätte mir niemand einen Spiegel vorhalten können als Holger mit seinem Bericht. Ja, es tut weh, aber so ist es größtenteils auch bei mir. Die Erkenntnis ist da, wo aber der Ausweg aus der Misere? Oder… braucht es überhaupt einen Ausweg?

Seit ich denken kann, ist mein großes Hobby das Thema „Radio“. Angefangen mit den ersten Sperrmüllfunden, die man als Kind auf dem Fahrrad-Gepäckträger heimwärts geschoben hat, über die Flohmarktkäufe als Jugendlicher vom ersten Taschengeld, bis hin zu den gezielten Suchen als Erwachsener, um Lücken in „der Sammlung“ zu schließen. Ich wollte von jeder Firma, die es in Deutschland gab, ein Belegexemplar. Auch von kleinen Firmen, die nur Notgeräte gebaut hatten. Das Thema war restaurieren, reparieren, ergänzen – aber auch Dokumentation der Historie von Firmen und Geräten, von Rundfunkgeschichte allgemein in Bezug auf soziokulturelle Entwicklung.

Es hätte nicht nur eine Privatsammlung, es hätte ein kleines Privatmuseum werden sollen. Nun, über 1200 Geräten später, wird einem klar, dass man das „vernünftige Maß“ weit überschritten hat. Einen kleinen Teil der Sammlung habe ich bei mir im Haus, der größte Teil ist ausgelagert… Bei Familienmitgliedern und Freunden. Ich habe längst keinen Überblick mehr, wieviele Freiburgs, 5010er und Opus-Zeugs irgendwo herumstehen.
Bei mir im Haus habe ich nur ein paar Vorkriegsgeräte, Notgeräte und einen kleinen Teil der 50er Jahre. Ehelich bedingt nur am Dachboden, die Wohnung ist tabu…

So, nun kommt die Erkenntnis, dass Leben und gute Gesundheit altersbedingt endlich sind und ich es niemals schaffen werde, mit den Geräten den Status eines „gesunden Hobbies“ oder eines kleinen Museums zu erreichen. Auch ich habe eine kaputte Schulter und werde im Leben keinen Ultramar oder Transmare mehr ohne fremde Hilfe vom Dachboden holen können. Aus und vorbei…

Vor einiger Zeit hatte ich im Sinn, die gesamte Sammlung an einen Aufkäufer zu veräußern. Es kam auch zu einem Treffen. Hier musste ich erkennen, dass es aus Sicht eines Unternehmers keinen Unterschied macht, ob man einen lästigen Nachlass oder eine geliebte Sammlung kauft. Logisch, das Bestreben ist natürlich, mit der angekauften Ware möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Das ist mehr als legitim. Meine emotionale Bindung zu meinen Radios, „meinen Lieblingen“, war jedoch stärker, sie als „bloßen Nachlass“ zum Kilo-Preis zu werten.

Einzeln verkaufen wird auch nichts. So alt kann ich nicht werden. Und warum überhaupt verkaufen? Um meiner Nachwelt die Mühen zu ersparen, das ganze Gelumpe zu entsorgen?

Auch hatte ich mal in Betracht gezogen, einen Teil der Sammlung, die Notgeräte und einzig erhaltenen Exemplare von kleineren Firmen, sowie nachweislich belegte Mustergeräte an ein Rundfunkmuseum zu geben. Ich betrachte diese Radios als historisch absolut wertvoll. Gedacht als Spende. Aber auch die wollten die Dinger nicht haben…

Das Thema „Radio“ ist vermutlich bei der kommenden Generation ohnehin tot. Jugendliche haben keinen Bezug mehr zu diesem Medium oder zu diesen Geräten. Es wird nicht mehr „gebastelt“. Neue Geräte sind zu Wegwerfartikeln geworden, sofern Rundfunk überhaupt noch wahrgenommen wird. Es gibt Spotify, AppleMusic… was auch immer.

Die derzeitige wirtschaftliche Lage und sich nicht sehr rosig darstellende Zukunftsperspektive hält viele davon ab, Geld für „Unsinniges“ auszugeben. Vor allem für solchen Unsinn wie Hobby oder Zeugs, das in nächster Zeit ohnehin obsolet wird, wie alte UKW-Radios. Wer zu alten Geräten („ach, ist das schön retro, was meinst du Noah, passt das in unseren Loft? Das kann doch Bluetooth, oder…“) keinen Bezug hat, wird diesen auch nicht herstellen können. Der „Bezugspunkt“ kann manches Mal nur durch enorme Preise hergestellt werden. Ja, auch ich habe die BRAUN Wandanlage („…die wär‘ doch was für unser Loft, Noah… was soll die denn kosten…“).

So, genug philosophiert. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Geräte zu Lebzeiten zu behalten. Hier ein Teil von „dem Mist“, eine kleine Dia-Schau…
http://www.radionostalgie.de/coll-show.mp4

Danke für’s Lesen…
Jörg
www.radiolegenden.de
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paulchen
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Re: Von sammlerischer Hybris

Beitrag von paulchen »

Ja, da kann man in philosophieren kommen bei dem Thema.

Was Holger da von der Hüserich-Sammlung geschrieben hat, haben bestimmt einige hier aus dem Forum gesehen und kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen.
Was Du Holger, da mitgenommen hast, waren nur Bruchstücke. Denke mal an W.B., was der da nach Hause getragen hat und vor allem was er dafür noch bezahlt hatte. Behaupte hier mal - verkalkuliert.
Selber hatte ich (nie gezählt, nur geschätzt) ca. 850 Röhrenradios auf dem Tisch. Zum Glück habe ich den Braten früh gerochen und mich rechtzeitig von dem Großteil getrennt. Am Ende sind nur noch ca. 12 Standgeräte auf Röhrenbasis meins. Aber die Sache hat (für mich leider) eine Kehrseite... Mein Interesse verlagerte sich zu den Kofferradios. Da sind es inzwischen um die 170 Radios. Na ja, Vorteil von den Dingern... Die haben schon einen Griff dran um sie in die Tonne zu hauen wenn es dann mal soweit ist. :twisted: :hello:

Man muß schon sagen, wer bei den Radios ans Geld verdienen dachte, dem fällt das jetzt wohl auf die Füße. Lediglich die hochpreisigen gehen noch über den Tisch. Aber die 0815 Geräte im 0815 Zustand sind wohl Ladenhüter. Zeiten ändern sich... :|

Die Sache mit dem Privatmuseum haben viele gehabt. Ja eigentlich ein netter Gedanke. Aber... es fehlt wohl das Publikum. Da kommen mal ein paar Sammlerfreunde und das war es dann wohl. Was man da so hört und liest ist das wohl die Realität.

Ende vom Lied? Jörg hat es wohl auf den Punkt gebracht.
Die Erben werden sich "freuen".

Man muß es aber glaube ich mal anders sehen - es soll ein Hobby sein und als solches muß man es auch sehen.
Wer da materielle Werte sieht hat wohl demnächst mal ein Gang zum Optiker nötig. :shock:

paulchen
...mal recht pessimistisch
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holger66
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Re: Von sammlerischer Hybris

Beitrag von holger66 »

Hallo Jörg,

vielen Dank für Deinen Beitrag und das Filmchen. Meine Güte - 1.200 Geräte. Das ist nur zu handeln, wenn man eine Scheune oder einen sonstigen großen Lagerraum zur Verfügung hat, kein Wunder, daß Du auslagern mußtest.

Daß das bei mir nicht so derart ausgeartet ist, liegt daran, daß ich mein Interessengebiet schon am Beginn der Sammelei stark eingeengt habe, der Schwerpunkt liegt auf Geräten der Jahre 1950 bis etwa 1958 und da bei großen deutschen Geräten.
Der Grund dafür ist leicht erklärt: ich bin auch ein Freund von allem, was man gemeinhin unter dem Label "Klassische Musik" subsumiert. Da ist Wohlklang entscheidend, was alle Geräte ohne UKW ausschließt. Und Radios desto uninteressanter macht, je kleiner sie sind.
Außerdem interessierten mich die unterschiedlichen technischen Lösungen und Zugänge der verschiedenen Hersteller, wo es um die Einführung und Verbesserung des UKW-Empfanges ging. Der Grundig 495W muß bei den Zeitgenossen im Fachpublikum wie eine Bombe eingeschlagen haben, wogegen der Saba Konstanz W nur ein müdes Lächeln erzeugen konnte - sowas meine ich.
Das ist jetzt gut 75 Jahre her und die Geräte laufen bei guter Pflege immer noch völlig problemlos und sind alltagstauglich. Wo gibt es so etwas sonst noch ? Auch das ist ein Grund für die Sammelei: da wurden Dinge produziert, die sind an Nachhaltigkeit nicht zu übertreffen, um diesen modernen Begriff mal zu verwenden. Es steckt ein Entwicklergeist in ihnen, der traurigerweise völlig abhanden gekommen ist.

Ein paar wenige UKW-lose Radios gibt es auch, von den meisten würde ich mich aber auch wieder trennen wollen, wenn ich einen Abnehmer fände. Vielleicht mit der einen Ausnahme des exakten Grundig-Vorgängers, ja, ich habe die "blaue Mauritius", den 598W, ich bekam ihn vor knapp 10 Jahren zum 50. Geburtstag von damaligen Freunden geschenkt. Aber Telefunken 076WK, Saba 446WLK, Loewe 648GWb und noch ein paar mehr würde ich abgeben.

Bei mir stellt sich das so dar, daß ich je ein Alltagsgerät im Wohnzimmer stehen habe (Saba Freudenstadt 15M - er paßt haargenau zur Einrichtung und verstärkt bei Bedarf auch das Signal aus dem Laptop - einen Fernseher habe ich nicht mehr) und einen Sonneberg Erfurt 2 im Schlafzimmer, von allen bisher getesteten Radios klingt der da am besten.
Dann gibt es noch einen Galaxy 9000St. in der Küche und einen Touring 105 im Badezimmer. Alles andere steht entweder in der Bastelbude im 1. OG oder auf dem Dachboden, der als Sammlungsraum dient.

Wenn ich aber all das behalten hätte, was ich mal hatte, wäre ich auch in die Nähe von 1.000 gekommen, ich habe also konsequent verkauft, auch wenn es mir manches Mal wehtat, die Geräte ziehen zu lassen. Hätte ich das aber unterlassen, hätte auch ich auslagern müssen - und das Problem bei meinem Ableben dann eben auch Familienmitgliedern oder Freunden in die Schuhe geschoben - von letzteren sammeln auch so einige, die hätten mir also den Vogel gezeigt - genau wie ich ihnen im umgekehrten Fall.

(Nebenbei: hast Du ein brauchbares Chassis Concertino 6 oder AEG 4075 ? Oder sonst jemand, der hier mitliest ? Ich starte dazu dieser Tage einen Thread im Technik-Teil - mir ist mal wieder etwas kurioses zugelaufen - anderes Thema.)

Viele Grüße
Holger
UKW: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.....