Reparaturbericht Braun Regie 450 S

Fragen, Berichte und Tipps zu Reparatur und Technik für frühe Transistorgeräte bis in die 1970er Jahre.
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Alexander1962
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Reparaturbericht Braun Regie 450 S

Beitrag von Alexander1962 »

Reparaturbeschreibung Braun Regie 450 S

Hallo,

heute möchte ich über meine Reparatur des Regie 450S berichten.

Im Herbst 2025 wurde ich auf die Braun Regie Reihe aufmerksam, nachdem ich im Net ein Video
darüber gesehen hatte. Ich hatte Geschmack daran gefunden und in den einschlägigen Internetanzeigen gesucht und wurde fündig. Nicht weit von mir wurde dieser Regie 450 S angeboten.
Das Gerät wurde als defekt angepriesen und es fehlte ( bisher immer noch ) ein Reglerknopf für die Klangeinstellung. Am darauf folgenden Tag war ich beim Verkäufer und habe den Braun für 20.- € gekauft. Das erste was mir auffiel, das Teil war sauschwer. Naja dachte ich, wenn ich es nicht hinbekomme, kann ich wenigsten den Trafo gebrauchen.

Dann startete die erste Bestandsaufnahme und danach begann die Reparaturodyssee. In der Hoffnung, dass es sich nur um ein, zwei Fehlerquellen handelt, ging ich ans Werk. Ich wurde eines besseren belehrt.

Nach dem Einschalten über eine Vorschaltlampe sah es zunächst gut aus. Die Kondensatoren luden sich auf, die Lampe glimmte nur noch. Also Volldampf drauf, Rauschen auf beiden Kanälen. Jedoch bei fast voll aufgedrehtem LS Regler. Aber, rechter Kanal viel leiser, kein Empfang auf allen Wellen. Ein großer Kondensator im NF Teil, 2200 uF hatte Kurzschluss. Ich tauschte diesen behelfsmäßig gegen zwei 1000er. Die Trimmpoties für die Ruhestromeinstellung waren nur noch zur Hälfte vorhanden. Die Einstellschleifer waren weg. Hier hätte ich erstmals abbrechen sollen. Ich habe jedoch weiter gesucht. Ich wollte unbedingt, bevor ich eine Großbestellung mache, einen Ton aus dem Empfänger hören. Das hätte ich sein lassen sollen. Ich habe mir die rechte Endstufe abgeschossen. Somit wurde die Bestellliste etwas länger. Schade um die originalen Transistoren.

Die erste Bestellung beinhaltete sämtliche Elkos, die Endstufen Transistoren mit den Treibern und u.a. den Leistungstransistor für die Spannungsregelung und die Trimmer. Nach Erhalt der Ware baute ich die Verstärkerplatine aus, die auch die Bauteile der Spannungsversorgungen enthielt. Die Elkos, die Trimmer und Transistoren wurden getauscht. Nach Einbau funktionierte die NF wieder. Über Einspeisung Tapebuchse und Phone kam schöne Wiedergabe durch. Klangregelung ging auch sehr gut.

Leider waren die Spannungen nicht wie sie sein sollten. Soll 25V ist 24,2V, soll 15V ist 13,8V.
Der Trimmer für die 25V war auf Anschlag gestellt. Der Vorwiderstand R 805 war im Wert falsch, soll 15 Ohm ist 20 Ohm, den hatte ich dann getauscht. Ferner war die Diodenschaltung D 801 und D802 nicht richtig. Anstatt der BZX75C2V8 war eine Z Diode verbaut, in gleicher Flussrichtung. Diese war auch defekt. Die Z Diode D 802 wurde mal gegen eine mit höherer Leistung ersetzt. Ich hatte auch festgestellt, dass die Anordnung der Dioden auf der Platine, entgegen dem Schaltplan vertauscht aufgedruckt war. Das sahen die Braunleute wohl nicht so eng. Auch an gewissen anderen Stellen im Gerät war das so !! Ob sich dies hier auf die Funktion auswirkte kann ich nicht sagen. Die D 802 habe ich entgegen dem Aufdruck an der anderen Stelle eingebaut. Jetzt blieb mir noch das Problem mit der BZX … da ich keine hatte. Ich hatte auf meinem Steckbrett Versuche aufgebaut. Zuerst mit vier 1 N 4007. Schon stellte sich eine Spannung von 14,5 V ein, 4 x 1N 4148 waren dann perfekt, genau 15 V! Laut Datenblatt verträgt die 4148 150 mA, also an der Stelle ok. Im Übrigen ließ sich dann die 25V, mit fast Trimmermitte, genau einregulieren. Zur Sicherheit habe ich auch noch den Brückengleichrichter ersetzt.

Dann war erst einmal Pause bis nach Weihnachten.

Jetzt ging es weiter. Es wurden die restlichen Elkos gewechselt. U.a. mussten die Entzerrer- und die Impedanzwandlerplatinen aus- und eingebaut werden, um an die Kondensatoren dort heran zu kommen. Immer in der Hoffnung nach der Reparatur irgendwann mal einen Ton aus dem UKW Bereich zu hören. Jedoch ohne Erfolg. Die Elkos auf der Dekoderplatine, hier war auch ein Tantal verbaut und einer auf der ZF wurden gewechselt. Wieder kein Empfang.

Nun ging kein Weg mehr an ZF und Eingangsplatine vorbei. Es folgte eine Odyssee.

Odyssee Zitat Anfang Irrfahrt, Unternehmung verbunden mit vielen Fehlschlägen Zitat Ende.

Ich hatte Spannungen gemessen und abgewogen ist das schlüssig, Transistoren ausgebaut geprüft eingebaut und verdächtige ersetzt, sind es die LM 703 oder einer davon, dann hatte ich den Eingangstransistor der ZF Stufe in Verdacht, ausgebaut geprüft und gut. Bis auf eine Diodenstrecke zwischen Emitter und Kollektor, die da nicht hingehört. Das wurde mir auf meinem Chinatester angezeigt. Wie sich später herausstellte war der Transistor auch altersschwach. Ich habe die Abschirmbleche ausgelötet, kalte Lötstellen gesucht und und und … Dann hatte ich den T 101, ein FET Transistor im Eingangskreis auf dem Schirm. In einem YT Tutorial wurde über einem Tuner mit ähnlichem Eingangstransistor berichtet. Ich hatte mir die Spannungen notiert und mit meinem verglichen. Diese waren fast gleich, also ließ ich die Finger hier weg. So langsam verließ mich mein Mut und ich sah schon den Braun als Verstärkergerät in der Ecke stehen.

Und manchmal sollte man einfach das machen was schon so oft gepostet wurde!!!

Bei einem Radio das funktioniert hatte ich das auch schon gemacht, um das zu testen ob das so wirklich funktioniert.

Man nehme ein zweites Radio ….. ich denke ich brauche es nicht weiter zu beschreiben.

Somit fand ich heraus, dass der Oszillator für UKW überhaupt nicht schwingt. Wieder Nächte über den Schaltplänen gebrütet. Wo ist denn eigentlich der Oszillator verbaut. Ich fand ihn schließlich im Abschirmkästchen, zusammen mit dem Mischer. Eine kleine Platine Kopfüber darin eingelötet. So das man an die Bauteile nicht rankommtt, toll. In den Serviceunterlagen las ich, man kann die Oszillatorspannung einstellen, mit einem Trimmer auf dieser Platine. Zum Einstellen ist da ein Loch in der Platine. Dahinter sollte eigentlich der Trimmer sitzen. Bei meiner Platine war da nichts. Ich entschied mich die Platine zu entnehmen. Siehe da, auch dieser Trimmer war nur noch ein einfacher Widerstand, auch hier der Schleifer weg.

Neue Bestellliste und alle anderen Trimmer auch mitbestellt.

Nach Erhalt dieser Bestellung baute ich den Trimmer in die Platine. Außerdem entnahm ich die beiden Transistoren, die hier mit verbaut waren, um diese zu prüfen. Alles OK. Transistoren wieder rein und Platine wieder einbauen. Durch gewisse Unachtsamkeiten musste ich die Platine nochmals entnehmen und wieder einbauen. Das bekam der Platine nicht so gut. Ich musste an zwei Stellen dort nachbessern. Einen weiteren Ausbau wäre wohl ein größeres Problem geworden. Jedenfalls konnte ich mit einem zweiten Radio dann die Oszillatorschwingung nachweisen. Sogar fast Punktlandung. Bei eingestellten 90 MHz verstummte das Prüfradio kurz vor 101 MHz. Endlich ging es mal wieder voran. Jedoch leider immer noch kein gescheiter Radioempfang. Das Rauschen war nun stärker und beim Durchdrehen der Senderabstimmung kam jetzt doch ganz leise ein Sender rein. Aber mehr war da nicht mehr zu bewegen. Alle Versuche blieben erfolglos. Ich sah das Teil schon aus dem Fenster fliegen. Ich war enttäuscht und hatte keine Lust mehr. Der Braun verschwand erstmals wieder im Regal.

Nach vierzehn Tagen nahm ich den Faden wieder auf. Irgendwann in meiner Bastlerzeit hatte ich mir einen Signalgenerator gekauft. Ich hatte diesen bisher nur im NF Bereich benutzt. An Punkt 6 der ZF Sektion habe ich in meiner Verzweiflung mal ein 10,7 MHz Signal eingespeist und wurde etwas belohnt. Es kam ein schönes mittleres Rauschen durch. Also müsste der ZF Bereich doch funktionieren. Hatte da vielleicht irgendjemand irgendwo herumdreht ?

Da das Gerät schon einige Spuren an Reparaturversuchen hatte, bekam ich den Verdacht nicht los, dass die Filter verstellt waren. Also habe ich den Signalgenerator erstmals abgeklemmt und das Radio auf 90 MHz eingestellt. In meiner Umgebung gibt es auf 89,9 MHz einen starken Sender. Also vorsichtig am ersten Filter gedreht und dann hatte ich Empfang. Mit jedem herausdrehen der Kerne wurde der Empfang besser und besser und das Radio lauter. Alle Filter wurden irgendwann mal hinein gedreht, zwar nicht bis zum Anschlag, aber einige doch ziemlich weit. Die nächsten Tage war ich mit der Feinabstimmung beschäftigt. Über einen Trimmkondensator und den Spulenkern daneben konnte ich die Sender dahin einstellen wo diese hingehören. Ich hatte am Bandanfang begonnen, dann am Bandende dann wieder am Anfang und irgendwann hat alles gepasst. Ich habe bei 92,7 HR3, der hat dann auch mit der Senderscala genau gefluchtet.

Letztes Kapitel der Stereodekoder

Wie so vieles an dem Radio ging auch hier nicht viel. Die Stereo anzeige blieb aus. Nach Überprüfung der Dekoderschaltung entschied ich mich den MC 1310 zu erneuern. Letzte Bestellung aufgegeben. Zwei Dekoder IC, sicherheitshalber ( ! ) und 3 x BF 167. Das Ordern des IC stellte sich zum Abschluss als unnötig da. Einen BF Transistor hatte ich für den T 301 vorgesehen. Ich hatte diesen ja schon in Verdacht. Nach Erneuern des Transistors blieb das Radio erst einmal stumm. Oha, konnte ja nur am Tauschversuch liegen. Die anschließende Prüfung, nach dem Ausbau ergab, dass die Basis und der Emitter am Neuteil vertauscht sind. Also Anschlüsse überkreuzt eingebaut und Radio spielte wieder, sogar noch besser.
Nach dem Austausch des Dekoder IC ging die Anzeigelampe an, jedoch nicht mehr aus. Durch Anraten eines Formmitgliedes habe ich mit einem Widerstand und einem zusätzlichen Elko die Spannung für den IC auf 11,5 V herunter geholt. Um etwas die Belastung der Glühlampenansteuerung für den Schaltkreis zu minimieren, wollte ich auf LED umbauen.
Das ging leider in die Hose. Durch meine Aktion, etwas zu kurz gedacht. Ich hatte die Z Diode D 901 entnommen und durch einen Vorwiderstand ersetzt. Das himmelte den neuen IC. Da über die Glühlampe bei Mono bzw. sperren des IC, die Spannung an PIN 6 auf 25 V anliegt. Ich habe dann alles wieder rückgebaut und weitergesucht.
Der Transistor T 901 schaltet den IC bei Stereo-betrieb ein und hier lag die Krux. Dieser schaltet ja erst ab ca. 0,6 Volt durch. Bei starkem Sender und mit meiner Zimmerantenne erreichte ich hier an der Basis maximal 0,4 V bzw. maximal 0,6 Volt an der Diode D 303 im ZF Verstärker. Ich hatte mit einer besseren Antenne probiert. Aber mehr als 1,1 Volt am Ausgang der Diode war nicht zu holen und das reichte immer noch nicht den Transistor zu aktivieren. Über einen Versuchsaufbau auf dem Steckbrett habe ich dann den Widerstandswert ermittelt um den T 901 „ vorzuspannen“. Das hat funktioniert. Mit 270 k Ohm zwischen Betriebsspannung 15 Volt und dem Basis Vorwiderstand R 907 und natürlich dem neuen Dekoder IC, hat auch die Anzeige funktioniert wie sie soll.

Zu Letzt habe ich auf Anraten eine Z Diode zwischen Pin 6 und minus gelegt um die Spannung bei erloschener Stereoanzeige auf ein erträglichen Maß ( 12,2 V ) zu reduzieren. Danach wurde alles wieder zusammengebaut.

Optisch habe ich das Gehäuse nur gereinigt. Die Betätigungsknöpfe abgezogen und gesäubert. Diese konnte ich mit Hilfe meines Heißluftgebläses gut entfernen. Leider ist mir bei der Montage der braune Knopf für Phono gebrochen. Mit 2 K Epoxidkleber und mit Schrumpfschlauch habe ich diesen wieder soweit instand setzten können. Der Reglerknopf für die Bässe fehlt immer noch, mal sehen.

Jetzt wollte ich es doch noch einmal wissen, und habe den ursprünglichen IC MC 1310 von Motorola eingesetzt und siehe da der funktioniert auch noch !

Die Schaltpläne habe ich hier nicht mehr angefügt, die sind im vorherigen Thema noch zu finden.

Für diese Gerätebaureihe kann ich u.a. folgendes empfehlen:

- Wie bei allen älteren Geräten sollte man auch hier alle Elkos tauschen und das sind hier nicht wenige. Unbedingt die roten Roedersteiner tauschen. Wenn diese nicht gerissen sind, sind die Werte nicht mehr gut. Auf der Dekoderplatine fand ich noch einen Tantal … der muss auch weg.

- Ausnahmslos !!! die Trimmpoties tauschen, schlechte Qualität und Oxidation machen u.a. ein vernünftiges Einstellen unmöglich bzw. die Potis sind hinüber. Ist der Trimmer bzw. Einsteller der Oszillatorplatine noch vorhanden ? Wenn dieser noch geht / schwingt, besser hier nichts machen. Sonst muss die Platine raus. Ein Trimmer ist noch geblieben, der zur Spannungseinstellung der 25V. Bei der Bestellung wurde mir falsches Rastermaß geliefert.

- Die Spannungsversorgung unbedingt auf Vordermann bringen, die geforderten Werte 25V und 15V sind einzuhalten und für dieses Gerät wichtig. Kleiner Hinweis der Transistor T 801 BD 377 und der Widerstand R 804 150 Ohm werden im Betrieb warm, ich hatte 58 Grad gemessen. Das fühlt sich mit dem Finger sehr heiß an, und ist scheinbar normal bei den Geräten. Ferner ist auch die Spannung für die Abstimmdioden UKW von 20 Volt wichtig.

- An einigen Stellen unterscheidet sich der Schaltplan von der Platinenbeschaltung und es gibt auch Unterschiede in der Bestückung und Lage der Bauteile.

- Schön fand ich die Bezeichnung der Bauteile auf den Platinen und man konnte so auch diese den Baugruppen zuordnen.

Hier nochmal einen ausdrücklichen Dank für die Hilfe und die Tipps an die Forumsmitglieder, die mir zu Seite gestanden waren.

Fazit:

Bestimmt habe ich bei dieser Reparatur nicht alles richtig gemacht. Bestimmt habe ich große Umwege gemacht, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Bestimmt hätte ich mir einen Regie in besseren Zustand kaufen können. Bestimmt habe ich auch was dabei gelernt und im Nachhinein würde ich mir diesen Braun wieder kaufen. Ich habe mit Einstandspreis und Ersatzteilen nicht mal 70.- € eingesetzt. Das war mir der Spaß wert!

Ich wünsche Euch allen jetzt schon schöne Ostern! Bis bald.

LG Alexander :hello:
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